Summerbreeze 2025

13.08.2025 – 16.08.2025 Dinkelsbühl

Vom 13. bis 16. August bebte Dinkelsbühl erneut unter der geballten Wucht des Summer Breeze Open Air. Die ersten beiden Tage forderten mit brütenden 35 Grad alles von Publikum und Crew. Das vor den Bühnen durch Wasserschläuche verteilte Wasser wurde zum überlebenswichtigen Segen, bevor am Freitag der erlösende Regen die staubige Hitze endlich brach. Zwischen den vier Bühnen wurde schnell klar, ein großes Festival wie dieses ist zu zweit kaum vollständig zu stemmen, trotzdem haben wir 49 Bands mitnehmen können.

Abseits der Musik sorgten viele Details für Gesprächsstoff. Das Cashless Payment funktionierte reibungslos und das kulinarische Angebot war überraschend vielfältig, von zahlreichen veganen und vegetarischen Ständen bis hin zu riesigen Tortenstücken zum Frühstück. Ärgerlich hingegen war die Toilettenregelung an der Campside-Bühne, wo Pissoirs kostenlos blieben, während reguläre Toiletten für Frauen kostenpflichtig waren.

Doch was das Summer Breeze besonders machte, war die Atmosphäre: Helfer:innen, Security und die legendären „Grabenschlampen“ in ihren Hawaiihemden waren durchweg freundlich, hilfsbereit und Teil eines inklusiven Miteinanders. Auch Kinder und Menschen mit Beeinträchtigungen fühlten sich auf dem Festival wohl, da ihnen eine dauerhafte Teilhabe garantiert war.

Hier unser Report zu allen Acts, die wir ab Mittwoch miterlebt haben:

Mittwoch, 13.08.2025

Blasmusik Illenschwang – Mit Trompeten, Tuben und bayrischer Volksmusik wird das Festival eröffnet. Metalheads begrüßten die Blaskapelle mit lautem Jubeln. Mit dem Lied “Grüß Gott, ihr Freunde” und einem herzlichen Servus beginnt das Festival. Der langjährige Rocker Fritz, 86, in selbstgestrickter Summer-Breeze-Weste, brachte die gut gelaunte Menge mit einem Tiroler Lied zum Schunkeln.

Defects – Metalcore mit Wucht. Von Anfang an Growls, Breakdowns und Crowdanimation. Neben der reinen Härte überzeugte die Band mit atmosphärischen Synthies und komplexen Gitarrenmelodien, die für ein magisches Klangbild sorgten. Der Mix aus hymnischem Klargesang und aggressiven Growls erzeugte emotionale Höhen und energetische Tiefen – ein Wechselbad, das die Crowd fesselte und die Stimmung von Null auf Hundert katapultierte.

August Burns Red – Metalcore-Flagschiff aus den USA. Pyros, Flammenwerfer und ultra-tightes Riffgewitter. Klassiker wie „Composure“ und „Defender“ gingen gnadenlos nach vorne. Die Crowd sang bei „Angels Deserve to Die“ lautstark mit. Musikalisch lieferten sie gewohnte Präzision: wuchtige Breakdowns, technisch anspruchsvolle Riffs und gnadenloser Drive. Ein Set, das wie eine Sturmwalze durch das Infield rollte.

The Halo Effect – Melodic Death Metal aus Göteborg. Trotz technischer Startprobleme legten die Ex-In-Flames-Mitglieder los. Sänger Mikael Stanne growlte mit einem Grinsen im Gesicht, die Songs – hymnisch, klatschfördernd, aber auf der Bühne eher statisch. Ein Kontrast zwischen strahlendem Frontmann und stoischen Mitmusikern. Musikalisch knüpfte der Sound an die goldene Ära des Göteborger Melodic Death an: melodische Twin-Gitarren, drückende Rhythmik und atmosphärische Hooks.

Crystal Lake – Japanische Metalcore-Ekstase. Unbändiges Headbangen, Circle Pits und simultanes Shouting von allen Seiten der Bühne. Ein mitreißendes Chaos, das die Crowd in kollektives Springen zwang. Ihre Mischung aus technischen Riffs, Breakdowns und hymnischen Refrains machte den Auftritt zu einer energiegeladenen Abrissbirne, die keinen stillstehen ließ.

In Extremo – Mittelalter-Rock in Perfektion. Dudelsäcke, Harfe, Pyros, Mitsing-Refrains: Die Crowd tobte, sang jedes Wort mit, tanzte zu „Wolkenschieber“ und wurde bei „Feine Seele“ emotional, als tausende Lichter hochgingen. Pure Festival-Magie. Immer wieder schwebten Fans auf Händen durch die Menge – Crowdsurfen war fast so präsent wie die Pyroshow. Mit ihrem Mix aus Folk-Instrumenten und harten Gitarrenriffs erschaffen In Extremo eine eigene Klangwelt – archaisch, aber gleichzeitig modern und absolut festivalerprobt.

Frayle – Doom trifft Ästhetik. Sängerin Gwyn Strang schwenkte mit verblüffender Geschwindigkeit zwischen zerbrechlich-schönem Gesang und harschem Growl – eine stimmliche Wandlungsfähigkeit, die unter die Haut ging. Ihre Stimme: wunderschön und ätherisch. Die Musik: düster und ruhig. Auch der Gitarrist ließ gelegentlich Growls einfließen, was die dunkle Klanglandschaft noch vertiefte. Trotz der abgelegenen Bühne versammelten sich viele Menschen, die gebannt lauschten und die Lichtspektakel bewunderten. Die Atmosphäre war hypnotisch, fast schon sakral. Obwohl „Summertime Sadness“ kein typischer Metal-Song ist, funktionierte das Cover überraschend gut: Die Crowd war voll dabei und sang begeistert mit.

Sólstafir – Post-Metal aus Island, sphärisch und emotional. Der Gitarrist betritt allein die Bühne, das Publikum beginnt zu klatschen. Der Einstieg ist lang und ruhig. Sänger Aðalbjörn Tryggvason überzeugt mit einer wunderschönen Stimme und Expression, die jede Emotion greifbar macht. Die ruhigen Vibes tragen durch die ersten Minuten, bis der Song plötzlich umschwingt und Energie entfaltet. Auch musikalisch zeigt er Vielseitigkeit: Beim nächsten Stück nutzt er seine Gitarre wie eine Geige – ein visuelles Highlight inmitten der melancholischen Klangwelt. Die Musik bleibt ruhig, aber tief bewegend.

Seven Blood – Melodisch, mitreißend, crowdnah. Der Auftritt beginnt ruhig, die Sängerin flüstert sanft ins Mikro, während sich die ersten Klänge entfalten. Kurz darauf folgt ein Gitarrensolo. Die Sängerin hüpft energiegeladen auf der Bühne, ihre Stimme dabei klar und wunderschön. Obwohl die Band noch weniger bekannt ist, füllt sich die Crowd rasch. Der zweite Song bringt eine melodische Tiefe, die das Publikum sofort mitreißt. Die Band animiert zum Mitklatschen und schafft es auch, immer wieder ruhige Momente einzubauen, bevor sie in kraftvolle Passagen übergeht – eine gelungene Mischung aus Dynamik und Gefühl. Mit einer Gitarristin und einem Gitarristen ist das Klangbild vielschichtig, und die Bühnenarbeit der gesamten Band wirkt eingespielt und präsent. Beim dritten Song stehen plötzlich alle drei vorne und singen gemeinsam, ein starker Moment, der zeigt wie viel Herzblut in diesem Auftritt steckt.

Kupfergold – Mittelaltermusik mit Witz und Energie. Schon bevor die Band die Bühne betritt, ruft die Menge lautstark ihren Namen, die Vorfreude ist spürbar. Als Einstieg ein ruhiges Instrumental, das die Crowd direkt zum Mitklatschen animiert. Die Hauptsängerin überzeugt mit Präsenz und Stimme, während auch die Gitarristen immer wieder gesanglich einsteigen und die Dynamik verstärken. Beim zweiten Song „Fasan Alarm“ ist die Stimmung bereits am Kochen, die Crowd ist hyped. Kupfergold zeigen starke Bühnenarbeit, sprechen das Publikum direkt an und bringen es zum Lachen. Beim dritten Song „Und´n Tripper“ singen alle drei vorne mit, die Energie ist greifbar. Ein echter Geheimtipp, der sich seinen Platz auf dem Summer Breeze mehr als verdient hat.

Donnerstag, 14.08.2025

Schattenmann – Früher Slot, überraschend viele Fans. Obwohl es sich um den ersten Act des Tages handelte, war die Menge beachtlich, ein klarer Beweis dafür, dass Schattenmann sich in der Szene etabliert hat. Der Einstieg war melodisch und die Band animierte direkt zum Mitklatschen und zum Crowdwaving, was für eine überraschend ausgelassene Stimmung am frühen Morgen sorgte. Mit „AMOK“ und der neuen Single „Kein Kommando“ wurde das Tempo angezogen. Die Band kündigte ihr neues Album an und zeigte sich in top Form, sowohl musikalisch als auch in Sachen Bühnenpräsenz. Melodischer Rock mit Energie, Charisma und einem Gespür für den Moment. Ein gelungener Start in den Tag, der Lust auf mehr machte.

Elvenking – Power-Folk-Metal mit Geige als Trademark. Die Violine wirbelte durch die Songs und wurde zum klanglichen Mittelpunkt. Die Band sprach mit der Crowd, animierte zum Mitklatschen und sorgte für eine spürbare Verbindung. Der Sound war hymnisch und melodisch, getragen von der schönen Stimme des Sängers und dem druckvollen Zusammenspiel der Gitarristen. Mit „The Ghosting“ vom neuen Album setzte Elvenking ein Highlight, das überzeugte. Ihr Mix aus Heavy Metal, Rock und Folk war nicht nur unverwechselbar, sondern auch voller Energie. Eine lebhafte Show, die epische Melodien mit folkigen Rhythmen verband und das Publikum klatschte begeistert mit.

Frozen Crown – Female-Fronted Power Metal aus Italien. Kaum auf der Bühne, zündete ein Feuerwerk aus Gitarrensoli, Twin-Leads und kompromisslosem Headbangen. Die fünfköpfige Formation ließ keine Zeit für große Worte. Statt Ansagen gab es volle Power von Song zu Song. Die Vocals wurden teils zwischen Sängerin und Gitarristin aufgeteilt, was dem Sound zusätzliche Dynamik verlieh. Die Band ging stark nach vorne, suchte den Kontakt zur Crowd und animierte sie zum Mitmachen. Mit starker Bühnenpräsenz und technischer Präzision sorgten sie für ein klassisches Power-Metal-Flair, das das Publikum sofort mitriss.

Hanabie. – Die japanische All-Girl-Metalcore-Sensation. Schon beim Einlaufen schallte Jubel durch die Menge, begleitet von lautem Klatschen. Hanabie. performten komplett auf Japanisch, was dem Auftritt eine besondere Authentizität verlieh. Die Sängerin wechselte mühelos von niedlich-cleanen Vocals zu tiefem, brutalen Growlen, ein Kontrast, der nicht nur musikalisch, sondern auch visuell faszinierte. Die Gitarristin übernahm ebenfalls Gesangsparts, ihre Stimme im Gegensatz angenehm harmonisch. Auch die zweite Gitarristin stimmte gelegentlich mit ein, etwa bei den ikonischen „Yey“-Shouts, die zwischen den Growls das Publikum zum Mitrufen animierten. Die Crowd war voll dabei: Headbangen, Moshpits, Crowdwaving, sogar ein gemeinsames Anstoßen mit der Band. Hanabie. zeigten starke Bühnen- und Crowdarbeit, gingen immer wieder nach vorne, sprachen mit der Menge und brachten sie in Bewegung. Besonders auffällig war, dass sich viele Fans passend gestylt hatten – Männer in Röcken, mit Spangen oder Öhrchen, ganz im Kawaii-Stil.

Ensiferum – Viking-Metal pur. Der Auftritt beginnt mit einem Gitarrensolo aller drei Gitarristen, begleitet von kollektivem Headbangen, das sofort die Energie entfacht. Der Sänger übernimmt die Hauptvocals, doch auch die Gitarristen singen mit, was den Sound vielschichtig und kraftvoll macht. Die Band animiert die Crowd zum Klatschen, und spätestens beim zweiten Song, „Token of Time“, verschmilzt die Menge. Diesmal steht der Sänger am Keyboard, während einer der Gitarristen die Vocals übernimmt, ein starker Moment, der die Vielseitigkeit der Band unterstreicht. Die Melodien erinnern an nordische Schlachtgesänge, getragen von hymnischen Gitarren und einem epischen Sound, der Bilder von rauen Landschaften und mythischen Kämpfen heraufbeschwört.

Arctis – Modern Metal aus Finnland mit dramatischer Tiefe. Die Band präsentierte Material vom Debütalbum Arctis, das durch gewaltige Riffs, breite Klangräume und pop-infused Hooks auffällt. Auf dem Breeze wurden diese Elemente greifbar: eingängige Refrains, die sofort hängen blieben, kontrastiert mit brutalen Gitarrenparts und einem Spannungsaufbau. Obwohl sie noch relativ neu in der Szene sind, zeigte Arctis, dass sie bereits Bühnenerfahrung mitbringen, nicht zuletzt durch ihre Tour mit Apocalyptica. Sie verstehen es, das Publikum zu gewinnen: mit starken Momenten, leisen Passagen, cleanen Vocals und dann wieder drückender Härte.

Swarm6ix – Rap-Metal-Crossover mit Gothic Vibes. In seltener Vollbesetzung nutzte die Band das Setup für eine massive Soundwand. Mehrere Gitarrensoli durchzogen das Set, während sich rohe Nu-Metal-Breaks mit trapartigen Beats und gothic Atmosphären vermischten. Mittendrin begann der Sänger zu rappen, ein Stilbruch, der perfekt ins düstere Klangbild passte und die Crowd zusätzlich elektrisierte. Die Mischung aus Heavy Metal, Rap und Gothic wirkte überraschend eingängig, düster und druckvoll zugleich. Swarm6ix zeigten starke Bühnenarbeit, gingen gut nach vorne und reizten die Menge besonders in den Übergängen zwischen groovig und verzerrt. Der Auftritt fühlte sich an, als würde man mitten in eine Soundexplosion stolpern, ein starkes Kontrastprogramm zur restlichen Nachmittagssession.

Mr. Hurley & Die Pulveraffen – Folk-Piratenmetal mit Rumfeeling. Die Band schwenkte Regenbogen-Piratenflaggen und brachte damit sofort Farbe und Stimmung ins Infield. Ästhetisch wie musikalisch ganz auf Kursfahrt eingestellt, gab es Piratenmusik mit Akkordeon, Gitarren und einem Cajón. Die Band zeigte sich publikumsnah, animierte zum Klatschen und bedankte sich charmant dafür, dass so viele Leute in der Sonne standen. Alle Mitglieder sangen mit, was es besonders kraftvoll machte. „Tortuga Tortuga Tortuga“ hallte durch das Infield, begleitet von Schunkeln, Schwertgesten und ausgelassener Feierlaune. Wie erwartet war die Show ein Ausflug in pure Piratenromantik. Ein neues Album wurde für September angekündigt, und der Auftritt fühlte sich schon jetzt wie eine Release-Party an.

Rivers of Nihil – Progressiver Death Metal, atmosphärisch und brutal. Die US-Amerikaner lieferten eine technisch versierte und dichte Performance, die zwischen melancholischer Tiefe und brachialer Härte pendelte. Brutale Blastbeats, viel Growlen vom Sänger und melodischer Gesang der übrigen Bandmitglieder prägten den Sound. Saxofon-Momente und Synthesizer schufen Freiräume, bevor alles wieder in komplexe Death-Metal-Attacken überging. Mit ihrem neuen Album Rivers of Nihil zeigte sich die Band mit frischem Line-Up hörbar gereift. Songs wie „House of Light“ glänzten durch eingängige Refrains, komplexes Riffing und temporeiche Breakdowns. Die Mischung aus Screaming, Growls und klaren Vocals fesselte die Menge, die sich mit Moshpits und synchronem Headbangen revanchierte.

Landmvrks – Metalcore mit französischem Rap. Abriss pur: riesige Moshpits und Crowd Surfer ohne Ende. Der Sänger rappte auf Französisch, schaltete dann in Screams und schließlich in melodischen Gesang, teils auf Englisch, teils auf Französisch. Die Gitarren sorgten für druckvollen Sound, während der Sänger die Menge immer wieder bestimmte Songparts mitsingen ließ, was die Energie noch weiter steigerte. Songs vom neuesten Album The Darkest Place I’ve Ever Been drückten mit schnellen Riffs und aggressiven Breakdowns, gleichzeitig gab es ruhige Momente, in denen die Musik kurz innehielt und der Gesang klarer wurde, bevor alles wieder in pure Intensität überlief. Die Mischung aus Härte, Melodie und besonders die Publikumsnähe machten Landmvrks aus.

Paleskin – Junge Newcomer mit emotionalem Wechselspiel aus Rock und Metal. Die schwedische Band erlebte beim Summer Breeze ihre Premiere, jung und noch nicht allzu bekannt, aber mit spürbarem Potenzial. Der Auftritt begann direkt mit einem markanten Scream, bevor der Sänger in ruhige, klare Vocals wechselte. Seine Stimme, besonders in den melodischen Passagen fiel auf: warm, ausdrucksstark, fast verletzlich. Was folgte, war ein ständiges Auf und Ab zwischen ruhigen Momenten und plötzlichem Growlen, ein Muster, das sich bei mehreren Bands zeigte, hier aber besonders dynamisch wirkte. Der Sound mischte Alternative Rock und Post-Hardcore zu einem dichten Klangteppich, der sowohl roh als auch atmosphärisch war. Mit emotional geladenen Clean-Vocals, vollen Gitarrenwänden und verzerrten Ausbrüchen erzeugten Paleskin eine intensive Stimmung.

Hyro The Hero – Rapcore-Dynamo mit maximaler Bühnenenergie. Hyro lieferte Entertainmentfaktor hoch zehn. Der Sänger sprang über die Bühne, warf das Mikro in die Luft, quatschte und witzelte mit der Crowd, während er mühelos zwischen Rap und Metal wechselte. Schon beim zweiten Song, „Worst Behavior“, war die Menge nicht mehr zu halten: ein riesiger Moshpit tobte, die Security wirkte angespannt, als müsste sie jeden Moment eingreifen, so sehr hatte Hyro die Crowd aufgeheizt. Neben ihm überzeugte der Gitarrist mit ruhigem Gesang, während ein weiterer Gitarrist mit tiefer Stimme punktete. Die Screams des Sängers trafen auf melodische Hooks und harte Riffs, die Mischung aus Aggression und Party war explosiv. Die Fans wurden direkt eingebunden, sangen auf Kommando mit, und die Energie auf und vor der Bühne war durchgehend hoch.

Firtan – Black Metal mit Geige und Atmosphäre. Düster, ästhetisch und doch voller Energie. Der Auftritt begann instrumental, die Bühne in Nebel gehüllt, während Geige, Gitarren und Bass langsam ein dichtes Klangbild aufbauten. Die Geigenspielerin zupfte zunächst ruhig, bevor die ganze Band gleichzeitig ins Headbangen verfiel und der Sänger mit Screams und Growls die erste Welle losbrach. Aus Lörrach stammend, brachten Firtan eine Mischung aus Black Metal, Pagan Metal und post-Black Atmosphären. Ihr aktuelles Album Ethos wurde live zu einem Sounderlebnis: donnernde Rhythmusgewitter wechselten mit Momenten voller Violine und melancholischer Melodien. Die Geigenspielerin animierte die Crowd, später stieg sie mit ein in ein Gitarrensolo, das sich zu einem epischen Höhepunkt aufbaute. Die Screams und Growls verliehen der Show Härte, während die ruhigen Passagen filmische Tiefe erzeugten. Eine Soundreise, die zwischen purer Intensität und emotionaler Tiefe pendelte. Firtan zeigten, wie ästhetisch und kraftvoll atmosphärischer Black Metal sein kann.

Iotunn – Progressiver Extreme Metal mit kosmischer Note. Der Auftritt begann dramatisch: dichter Nebel, bombastischer Sound, und sofort die ersten Growls. Die Stimme des Sängers wechselte zwischen harschem Screaming und tiefer, melodischer Klarheit, besonders im zweiten Song „Earth to Sky“, der insgesamt ruhiger war. Growls und tiefe Clean-Vocals verschmolzen mit sphärischen Gitarrenwänden und einem epischen Bühnenbild. Die dänische Band erzeugte eine Atmosphäre, die zwischen galaktischer Weite und metallischer Härte pendelte. Iotunns Sound ist vielschichtig: rhythmische Sturmfronten aus Drums und Riffs trafen auf ruhige, introspektive Passagen, die fast filmisch wirkten. Eine Soundreise, die Intensität und Tiefe vereinte und das Publikum mit auf eine Reise zwischen Erde und Kosmos nahm.

Septicflesh – Symphonic Death Metal aus Griechenland. Schon das Bühnenbild brachte das Publikum in die richtige Stimmung: düster, opulent, theatralisch. Der Auftritt begann mit einem dramatischen Gitarrensolo, während der Sänger am Bass zwischen tiefem Gesang und harschen Growls wechselte. Die beiden Gitarristen flankierten ihn und animierten die Menge zum Headbangen. Mittendrin verschwand die Band hinter dem Bühnenbild, der Drummer übernahm mit einem Solo, bevor die Musiker wieder auftauchten und die Energie erneut entluden. Songs wie „The Vampire from Nazareth“ wurden mit filmischem Spannungsbogen aufgeführt, die Soundwand wirkte ehrfürchtig.

Coldrain – Japanische Metalcore-Maschine. Der Auftritt begann mit epischer Musik zum Einlauf, die Bühne in Licht und Nebel getaucht und schon war klar: das wird groß. Mit voller stimmlicher Bandbreite ausgestattet, vereinen sie melodischen Gesang und aggressive Growls, egal ob am Mikro oder an den Saiten. Ein Gitarrist übernahm melodische Parts, während der andere Gitarrist nach vorn trat und mit harten Growls unterstützte. Die Band zeigte starke Bühnenarbeit und der Sänger heizte die Crowd an. Er forderte eine „German Wall of Death“ und nutzte ein Durchsagengerät, hinter das er sein Mikro hielt. Ihr Stil verbindet Post-Hardcore und Alternative Metal mit eingängigen Melodien, choralen Refrains und kompromissloser Energie. Besonders die neue Single „Chasing Shadows“ entfaltete unter Mondlicht und Feuershow ihre volle Wirkung. Die Kombination aus melodischen Hooks, massiven Gitarrenwänden und direkter Publikumsbindung machte Coldrain zum krönenden Abschluss des Donnerstags.

Freitag, 15.08.2025

Charlotte Wessels – Blumiger Symphonic Metal mit Tiefe. Ihr Gesang war klar, emotional und stellenweise opernhaft. Besonders bei „Dopamine“, dem zweiten Song, wurde die Melodie getragen von ihrer ausdrucksstarken Stimme, nahbar, aber mit großer Präsenz. Die Band zeigte sich spielfreudig und atmosphärisch. Ein Gitarrensolo setzte einen dramatischen Akzent, während Charlotte immer wieder das Publikum ansprach. Neben ihr sorgte eine Keyboarderin für zusätzliche Tiefe im Sound, während kunstvoll um das Mikrofon gewickelte Sonnenblumen dem Set eine warme, persönliche Note verliehen. Bei „Ode to the West Wind“, dem dritten Song, wechselte die Musik zwischen melodischen Passagen und metallischer Wucht, ein Wechselspiel, das die Stimmung im Infield spürbar beeinflusste. Die Mischung aus Symphonic Metal, atmosphärischen Zwischentönen und charismatischer Bühnenpräsenz machte den Auftritt besonders. Charlotte Wessels überzeugte mit ihrer sonnigen Ausstrahlung und Stimme, die das Publikum sofort in ihren Bann zog.

Asenblut – Wikinger-Metal in Reinform. Der Sänger wirkte wie ein Krieger aus einer anderen Zeit, tief singend, growlend und das Mikro an einer Axt befestigt. Zwei Gitarren und ein Bass sorgten für Druck, wobei auch der Bassist gesanglich mit einstieg. Schon beim zweiten Song „Entfesselt“ wurde die Crowd zum gemeinsamen Headbangen animiert, begleitet von einem Feuerstoß aus der Kanone auf der Bühne. Die Musik war ästhetischer Pegan-Metal, durchzogen von Gitarrensoli, tiefen Vocals und einer starken Bühnenpräsenz. Der Sänger sprach immer wieder mit dem Publikum und forderte Schlachtrufe ein, die Menge antwortete lautstark und sang mit. Die Crowdarbeit war intensiv und direkt, die Band wirkte nahbar und gleichzeitig martialisch. Headbangen, Mitsingen, Feuer und Axt, Asenblut inszenierten sich wie aus einer Schlacht in Valhalla entsprungen, und das Publikum folgte ihnen bereitwillig in den Kampf.

Tabernis – Mittelalterlicher Folk mit Met und Imker-Ästhetik. Mit Dudelsack, Basstrommel, Geige und Bouzouki entführten Tabernis das Publikum in eine andere Zeit. Gekleidet als mittelalterliche Imker, mit langen Gewändern, Kapuzen und Weidenmasken, wirkte die Band wie direkt vom Markt herübergeweht. Der Auftritt begann sehr melodisch, ausschließlich instrumental, und erzeugte sofort eine warme, stimmungsvolle Atmosphäre, wie ein musikalischer Streifzug über einen Mittelaltermarkt. Die extrem tief verzerrte Stimme des Sängers trat erst später in Erscheinung, als sich die Band kurz vorstellte und in den zweiten Song überging. Ab der Mitte nahm das Tempo spürbar zu, der Trommler gab den Takt vor und animierte die Menge zum Mitklatschen. Ein kollektiver Rhythmus, der das Infield zum Leben brachte. Beim dritten Song übernahm ein neuer Dudelsack die Bühne für ein Solo, während der Geiger und der Gitarrist kleine Met-Fläschchen in die Menge warfen und der Trommler mit einer Weihrauchschwenke die Crowd benebelte. Das Dudelsacksolo lief währenddessen weiter und verlieh der Szene eine fast rituelle Note. Zum Abschluss spielten Tabernis ein kurzes Cover von „Was wollen wir trinken?“, ein stimmungsvoller Ausklang, der die Verbindung von Folk und Feier perfekt abrundete.

Avralize – Frischer Metalcore mit Energie und Emotion. Die Band lieferte genau das, was ihre Fans an ihnen schätzen, eine kraftvolle Mischung aus druckvollen Breakdowns, melodischen Hooks und futuristischen Soundscapes. Der Sänger wechselte zwischen emotionalem Klargesang, Screams und Growls, während der Gitarrist gelegentlich mit dunklen Shouts einstieg. Songs vom Debütalbum FREAKS wie „Wanderlust“, „Helium“ oder „Close to You“ brachten das Publikum früh in Bewegung. Während die Breakdowns und Shouts zündeten, sorgten cleane Refrains und elektronische Elemente für Entspannung. Der Release ihres kommenden Albums Liminal war bereits spürbar auf dem Weg: Stücke wie „Medicine“ spielten mit dem Wechsel zwischen emotionalem Gesang und brutalen Riffattacken und gaben dem Set eine Aussicht in das, was noch kommen wird.

Evergrey – Prog-Metal mit Gefühl und Wucht. Schon das Gitarrensolo zu Beginn setzte den Ton: Die Menge begann zu klatschen, das Headbangen folgte. Die schwedischen Prog-Metal-Veteranen bewiesen, dass sie auch nach über 30 Jahren Bandgeschichte nichts von ihrer Relevanz verloren haben. Songs vom aktuellen Album Theories of Emptiness wurden mit Präzision und Gefühl umgesetzt. Der Frontmann nutzte seine Stimme als zentrales Ausdrucksmittel, mal rau und schmerzhaft, mal ruhig und klar. Zwischen atmosphärischen Passagen wechselten sich Gitarrensoli und ruhige Gesangsmomente ab. Die Band lieferte einen Auftritt voller Tiefe, Emotion und metallischer Härte, der das Publikum spürbar berührte.

Dogbite – Energiegeladen durch den Regen. Trotz des Wetters füllte sich die Crowd zusehends und tanzte sich warm. Die Band legte los, wie eine Naturgewalt: Female Growls, die wie Stacheln feuerten, brutale Gitarren, die jeden Tropfen Wasser in Vibrationen verwandelten, und Drums, die wie Donner rollten. Heftige Gitarrensoli durchzogen das Set, die Sängerin growlte mit beeindruckender Ausdauer und Präsenz. Die Energie war greifbar, die Menge ging ab, tanzte, headbangte, ließ sich mitreißen. Aber anders als bei vielen Acts blieb es nicht bei roher Härte: zwischen den Stürmen bauten Dogbite kurze, fast fragile Momente ein, in denen der Gesang klarer wurde, die Melodien flimmerten und ein Hauch von Verletzlichkeit durchschimmerte. Sobald der nächste Breakdown kam, riss das alles wieder auseinander und ließ die Crowd toben. Ein Auftritt, der zeigte, dass Dogbite ihre Energie nicht künstlich aufpumpen müssen – sie leben sie. Und das Publikum? Lebte sie mit.

Slope – Rapcore mit Groove, Chaos und Festival-Ekstase. Sie lieferten am Freitag ein Set, das sich wie ein einziger Adrenalinschub anfühlte. Zwei Sänger wechselten zwischen Rap, Gesang und Metal-Shouts, begleitet von Bass, Gitarre und einer ordentlichen Portion Rock-Attitüde. Die Mischung aus Rap und Metal war nicht nur musikalisch spannend, sie funktionierte live einfach richtig gut. Schon beim dritten Song wurde es richtig groovig. Die Crowd tanzte und klatschte bei ruhigeren Passagen mit den Händen und explodierte bei plötzlichen Umschwüngen in energiegeladene Moshpits. Die Band war ständig in Bewegung: Mikrofone flogen durch die Luft, während auf der Bühne wild getanzt wurde. Das Gitarrensolo zerriss die Bühne mit solcher Wucht und Präzision, dass selbst die Crowd für einen kurzen Moment den Atem anhielt und es war umso cooler zu sehen, wie auch Schlagzeuger und Bassist ihre eigenen Momente bekamen. Ein wildes Drumsolo und später ein groovendes Basssolo, sodass jeder seine Time to Shine bekam. Bei „WHY SAD“ wurde gecrowdsurft, was das Zeug hielt und die Death Wall war der finale Beweis. Slope hatten die Menge komplett im Griff. Gute Bühnenarbeit, starke Stimmung, und ein Sound, der sich irgendwo zwischen Chaos und Kontrolle perfekt einpendelte, absoluter Festivalspaß.

Obituary – Death Metal in seiner rohsten Form. Der Auftritt begann mit einem episch langen Instrumental, bei dem zwei Gitarren und ein Bass bereits volle Wucht entfalteten. Die Menge jubelte den Death Metal Legenden zu, das Headbangen setzte früh ein und als der Sänger schließlich die Bühne betrat, wurde es kompromisslos. Mit Screams und tiefen Growls stieg er in die Klangwand ein, die von endlosen Instrumental-Passagen getragen wurde. Immer wieder wechselten sich druckvolle Riffs mit atmosphärischen Momenten ab. Obituary lieferten Death Metal, wie er sein muss: roh, direkt, voller Energie. Die Crowd war dabei, mit Headbangen bis zum Umfallen.

Harakiri for the Sky – Atmosphärischer Post-Black-Metal. Die Band entfaltetet ihre melancholische Wucht in langen, atmosphärischen Songs, die sich wie eine düstere Soundreise anfühlten. Der Einstieg war eher ruhig, getragen von Instrumentalpassagen, die die Menge zum Headbangen und Klatschen animierten. Zwischen Screams und Growls tauchte der Sänger immer wieder in die Klangflächen ein, während Gitarrensoli mit wildem Headbangen von der Crowd beantwortet wurden. Die Musik war roh und gleichzeitig befreiend, Post-Black-Metal mit emotionaler Tiefe, der sich nicht auf Härte allein verließ, sondern Raum ließ für Melancholie, Dynamik und kathartische Momente.

Yoth Iria – Black Metal als rituelles Spektakel. Kerzen werden angezündet, der Sänger sitzt in der Mitte der Bühne mit einem Sigil von Bael auf seinem Shirt und streckt die Devil Horns gen Himmel, die Menge macht es ihm gleich. Der Einstieg ist atmosphärisch und fast sakral, bevor er plötzlich aufspringt und mit tiefen Growls die Zeremonie in Bewegung bringt. Was folgt, ist eine theatralische Performance voller Nähe und Energie. Der Sänger springt von der Bühne, stellt sich auf die Wellenbrecher, kniet sich zwischen die Fans, läuft singend durch die Crowd. Eine Verbindung, die spürbar ist. Der zweite Song bringt eine Instrumental-Einlage, noch metallischer, mit Headbangen und einem Gitarrensolo, während die Band zum Klatschen animiert. Der Sänger springt immer wieder hin und her, legt sich auf die Bühne, steht auf und geht direkt zu den Fans. Die Bühne wird zum Ritualplatz. Yoth Iria zeigten, wie brutal und spirituell zugleich Black Metal sein kann. Mit guter Bühnenarbeit, intensiver Crowd-Bindung und Momenten, die sich wie ein dunkles Zeremoniell anfühlten.

Non Est Deus – Sakrilegischer Black Metal. Epische Musik, Kirchenglocken und ein Altar auf der Bühne. Der Auftritt begann wie eine dämonische Beschwörung. Der Sänger, gekleidet wie ein Priester der dunklen Seite, bewegte sich wie ein Greis, segnete die Band und die Crowd, während die Menge von allein zu klatschen begann und den Teufelsgruß in die Höhe streckte. Mit Growls und manischem Gesang trieb er das Ritual voran, unterstützt von zwei Gitarren und einer Feuershow, die die Atmosphäre zum Glühen brachte. Alle drei Frontmusiker sangen, die Bühnenarbeit war präzise und durchdacht. Eine Inszenierung zwischen Ästhetik und Wahnsinn. Beim zweiten Song wurde der Altar aktiv genutzt. Der Sänger peitschte sich selbst, rannte über die Bühne, knüpfte Kontakt zur Crowd und wirkte dabei verrückt. Während einer Instrumentalpassage lief er weiter durch das Szenario, als würde er die Energie des Publikums einsammeln. Non Est Deus verwandelten ihren Auftritt in eine Messe: verstörend, faszinierend und atmosphärisch bis ins letzte Detail.

Samstag, 16.08.2025

Heavysaurus – Dino-Metal für die Kleinsten, aber mit großer Bühne. Bereits um Mittag ließen sie die Main Stage beben, nicht nur mit kindgerechten Texten und tanzbaren Songs, sondern auch mit einem Visual-Spektakel, das seinesgleichen sucht: Seifenblasen, Bälle, Feuershow und fünf tierische Bühnenfiguren mit Namen: Mr. Heavysaurus am Mikro, Riffi Raffi an der Gitarre, Muffi Puffi am Bass, Komppi Momppi am Schlagzeug und Milli Pilli am Keyboard. Bei der Vorstellung von Milli Pilli wurde explizit betont, dass Mädchen genauso abrocken können, ein starkes Zeichen für Inklusion und Empowerment. Die Band sprach immer direkt zu den Kindern, animierte die Crowd zum Mitmachen, und einige Fans kamen sogar im eigenen Dino-Kostüm. Gespielt wurden umgedichtete Coversongs, die Metal mit Spaß und kindgerechter Botschaft verbanden. Damit auch die Kleinsten freie Sicht hatten, durften Fotografen ausschließlich im unteren Graben arbeiten, ein liebevolles Detail, das zeigt, wie ernst Heavysaurus ihre Rolle als Stimmungsgenerator für Kinder nehmen. Wer dachte, dass ein Festival-Samstag erst mit den großen Acts startet, wurde hier eines Besseren belehrt. Heavysaurus sind nicht einfach „Opening Act“, sondern ein Erlebnis: laut, bunt und voller Herz.

Dominum – Gothic-Metal mit Zombie-Ästhetik und Piratenflair.Der Auftritt nach Heavysaurus ließ kaum Zeit zum Luft holen. Dominum stürmten direkt los, als wären sie frisch aus der Gruft entflohen. Ästhetisch irgendwo zwischen Zombie, Pirat und Gothic, musikalisch zwischen melodischem Metal und elektronischen Akzenten. Zwei Gitarren, Feuershow, dramatische Lichtwechsel und ein Sänger der nicht nur die Bühne beherrschte, sondern auch die Crowd: „Danger Danger“, „Killed by life“, „Frankenstein“ – bei jedem Song wurde das Publikum eingebunden und zum Mitsingen animiert. Obwohl sich die Crowd nach den Dinos etwas verkleinert hatte, holte Dominum alles raus mit guter Bühnenarbeit und starker Crowd-Arbeit. Die Performance war inszeniert, aber nie distanziert, emotional getragene Passagen wechselten mit monumentalen Riffs und Instrumentalparts, bei denen die Band die Bühne zum Beben brachte. Dominum zeigten, wie man mit Stil, Energie und einem Augenzwinkern auch am frühen Nachmittag ein Publikum mitreißt.

Annisokay – Zerrissen zwischen Melodie und Breakdown. Der Auftritt begann mit einem kraftvollen Instrumental, das sofort zum Headbangen einlud. Der Sänger growlte und der Gitarrist übernahm die cleanen Vocals. Eine Wechselwirkung, die direkt zündete. Ein cooles Bühnenbild und die Lichttechnik unterstrich die Dynamik der Songs. Bei „Never Enough“ reckten die Fans die Metalhand gen Himmel und bei „Ultraviolet“ schwenkten die Fans die Hände rhythmisch über ihren Köpfen. Der Gitarrist überzeugte mit schöner Stimme, die Refrains hatten Mitsingpotenzial und die Breakdowns trafen mit Wucht. Das Set war eine ausgewogene Mischung aus neuen Songs und bewährten Hits, getragen vom Instrumentenspiel. Annisokay zeigten, wie man Härte und Live-Energie perfekt verbindet.

Stellvris –Female-Fronted Metalcore mit maximaler Crowd-Energie. Der atmosphärische Einstieg täuschte kurz über das Kommende hinweg, kaum auf der Bühne, heizte die Sängerin die Menge auf und startete direkt mit Screams und Growls, bevor sie mit klarer, schöner Stimme in den Gesang wechselte. Die Übergänge waren fließend, die Stimme heftig, die Performance mitreißend. Der zweite Song „Monster“ begann mit einem melodischen Einstieg, bevor er hart in Metal überging. Headbangen, Klatschen, „Hey“-Rufe, die Menge war voll dabei. Dann der Höhepunkt: Die Sängerin kam runter zur Crowd, mitten in die Wall of Death. Sie lief durch die Mitte, sang direkt vor den Fans, während diese aufeinander zurannten. Danach stand sie growlend in der Mitte, während alle um sie herumtobten, beim Circle Pit. Zurück auf der Bühne ging es weiter mit starker Crowdwork. Die Band, in matching Outfits, animierte alle, sich hinzuknien und dann sprangen alle gleichzeitig hoch. Ein Moshpit bildete sich, die Energie war greifbar. Beim dritten Song, einem Metal-Cover von „Starship“ füllte sich der Platz so sehr, dass selbst die Sonne keine Abschreckung war, denn unter dem Dach war längst kein Platz mehr.

Wind Rose – Zwergen-Power-Metal mit Warhammer Ästhetik. Die Italiener bauten ihr Set als epische Reise auf mit Trommelwirbeln, hymnischen Chören, fantastischen Texten und einem neuen Album „Trollslayer“, das die Band weiter in Richtung großer Bühnen und märchenhafter Geschichten führt. Der Auftritt begann mit einem Instrumental, die Band in abgestimmten Outfits. Ein Sänger, der mit seiner tiefer Stimme direkt die Crowd animierte. Sowohl Gitarrist als auch Bassist sangen mit, einer tanzte sogar über die Bühne. Die Band sah aus wie Warhammer-Charaktere, die Crowd war voll dabei. Viele hatten aufblasbare Hämmer dabei, einige sogar falsche Bärte umgehängt, um sich dem Zwergenbild anzupassen. Beim zweiten Song wurde es metallischer, aber die Vibes blieben gut. Die Band animierte zum Springen, Klatschen und Mittanzen. „Dance of Axes“ und der Crowd-Liebling „Diggy Diggy Hole“ führten zu kollektiven Refrains und Plastikhämmer-Schwingerei. Bei „Till the Morning“ tanzte die Menge und es wurde gecrowdsurft. Der Sänger sprach die Fans als „Brothers and Sisters“ an, die Verbindung war spürbar.

Vianova – Modern Metalcore mit Synth‑Unterströmung. Die Berliner Band präsentierte auf dem Breeze eine synthgetränkte Show mit technischem Riffing, Groove-Breakdowns und einem Wechselspiel aus klaren Hooks und aggressiven Shouts. Der Sänger begann mit schöner, klarer Stimme, bevor er mit Growls und Screams losbrach. Die Band trat in abgestimmten Outfits auf. Die Performance wirkte wie der Moment, in dem eine junge Band den Sprung von Underground-Lieblingen zu echten Festivalakteuren signalisiert. Mit Singles wie „Más Rápido“, „Melanchronic“ und „Obsolete“ sowie ihrem Debütalbum überraschten sie die Szene. Live zeigten sie, dass sie nicht nur im Studio, sondern auch auf der Bühne Haltung, Energie und Präzision liefern.

Hammer King – True Metal mit Königskrone. Der epische Einstieg ließ keinen Zweifel: Hier regiert der Metal. Der Sänger trat als König auf, die restliche Band in grünen Kilts. Gitarren und Bass sorgten für hymnischen Druck, der Gesang war klar und kraftvoll, die Refrains animierten die Crowd zum Mitsingen. Viele Fans trugen Papierkronen von der Band, sogar die Sanitäter hatten sie an ihren Caps befestigt. Die Menge sang mit, klatschte und rief ihren Namen. Als eine Frau auf der Bühne erschien und dem Sänger einen Kelch reichte, wurde es theatralisch: Während er trank, spielte die Band eine Instrumental-Einlage, die den Moment zur Zeremonie erhob. Die Musik hatte einen rockigen Einschlag, die Bühnenarbeit war stark, die Crowdarbeit noch stärker. Der Sänger animierte mit einem Hammer. Vertikal hochgehoben gab’s ein kollektives „Hey hey hey“, wagrecht gehoben ein „Hey – 2, 3, 4“. Später kehrte die Frau zurück und warf Goldmünzen in die Menge, ein königlicher Segen in Festivalform. Hammer King vereinten Party, Tradition und metallische Größe und machten aus ihrem Auftritt ein Gemeinschaftserlebnis mit Symbolkraft und Charme.

April Art – Modern Rock mit Power und Punk-Attitüde. Die Band setzte am Samstag ein starkes Ausrufezeichen mit charismatischer Frontfrau, techno-artigem Beat und einer Bühne, auf der Palmen standen. Alle in Rot gekleidet. Gitarrist und Bassist flankierten die Sängerin, die direkt loslegte: Mikro in die Menge, Mitsing-Moment, Headbangen, Klatschen, Crowdsurfen. Die Stimmung war sofort da. Der Sound verband Alternative Rock, Metal und elektronische Elemente, getragen von einprägsamen Hooks und einer hohen Bühnenpräsenz. Am Ende des ersten Songs gab’s ein Basssolo, beim nächsten Song wurde zum Springen animiert, eine kleine Feuershow zischte über die Bühne. Die Band war richtig gut drauf, die Crowd ging mit. Bei „Break Out“ und weiteren Songs vom aktuellen Album wurde laut mitgesungen. April Art überzeugten mit guter Bühnenarbeit, Spielfreude und Energie.

Primordial – Celtic Pagan Metal in seiner eindringlichsten Form. Die Iren lieferten am Samstagabend ein Set voller epischer, melancholischer und zugleich wuchtiger Songs. Zwei Gitarren sorgten für heroische Riffs, Growls trafen auf düstere Instrumentalpassagen, und die Bühne wurde zum Schauplatz einer musikalischen Erzählung. Der Sänger trug einen Galgen um den Hals, Teil einer Geschichte, die er erzählte von einem Mann, der seinen eigenen Sohn getötet hat. Die Crowd wurde zum Klatschen animiert, die Atmosphäre war dicht und tragend. Beim dritten Song wurde es ruhiger und melodischer, bevor die nächste Welle an Wucht folgte. Als auf der T-Stage das gigantische Feuerwerk von Machine Head losging und die Aufmerksamkeit der Menge kurz abdriftete, gelang es Primordial, die Crowd zurückzuholen mit Präsenz, Pathos und musikalischer Tiefe. Klassiker wie „As Rome Burns“, „The Coffin Ships“ und „Empire Falls“ wurden mit intensiver Bühnenpräsenz und markerschütterndem Gesang dargeboten. Zwischen Tragik, Mythos und roher Kraft entstand ein Sound, der das Publikum in eine andere Welt versetzte und selbst gegen visuelle Ablenkung Bestand hatte.

Cytotoxin – Brutal Death Metal im nuklearen Ausnahmezustand. Spät am Samstag verwandelten die Chemnitzer die Bühne in ein radioaktives Sperrgebiet. Alles wirkte giftig, das Licht, die Farben, die Atmosphäre. Ein maskierter Typ kam zuerst allein auf die Bühne, um die „Strahlung“ zu überprüfen, die Menge jubelte. Dann folgte die Band, komplett in Gasmasken, nur der Sänger zeigte sein Gesicht. Was folgte, war ein Set aus technischer Brutalität und apokalyptischer Stimmung: Growls dominierten, ab und zu schraubte sich ein Scream so hoch, dass er wie eine Alarmanlage klang. Die Gitarristen lieferten extrem schnelle Riffs, besonders beim dritten Song, der mit Sirenen begann und die Crowd zum Tanzen, Rennen und Headbangen brachte. Die Circle Pits liefen unaufhaltsam. Die Band zog irgendwann die Gasmasken ab, der Sänger lobte die Crowd mit einem trockenen „sehr schön“. Songs wie „Radiatus Generis“ oder „Abysm Nucleus“ feuerten Blastbeats und Riffsalven in die Menge. Trotz der extremen Härte war die Crowd voll dabei, ein Set das kompromisslos die Death-Metal-Fahne hochhielt und sich wie ein nuklearer Sturm über das Gelände legte.

Gaerea – Portugiesischer Black Metal. Der Auftritt begann episch, ruhige Musik, ein sanftes Gitarrensolo, die Band komplett in Schwarz. Der Sänger stieg mit klarer, schöner Stimme ein, unterstützt von der Gitarristin links, die ebenfalls sang. Ein Moment der Stille, der sich wie ein dunkler Schleier über die Bühne legte. Dann der Bruch, ruckartig ging es über in Metal, der Sänger growlte, die Gitarristen feuerten dissonante Riffs, die Crowd reckte die Metalhand. Alle trugen die charakteristischen schwarzen Masken mit dem Asmodäus Sigil. Der Sänger bewegte sich eine Etage tiefer, näher zur Menge, die Intensität stieg. Zwischen den Blastbeats und der rohen Aggression gab es immer wieder ruhige Parts, die der Sänger nicht nur sang, sondern auch emotional spielte. Eine Performance zwischen Nihilismus und Verzweiflung, getragen von starker Bühnenpräsenz. Songs aus dem Album Mirage wirkten live wie Klangwände, bedrückend und befreiend zugleich. Die Mischung aus unbändiger Härte und tiefer Melancholie ließ das Publikum in eine tranceartige Dunkelheit eintauchen. Ein Auftritt, der mehr war als ein Konzert, eine spirituelle Katharsis für jene, die sich auf komplexe Klangabenteuer einlassen wollten.

Imperial Triumphant – Goldene Masken zum Finale. Zum Abschluss des Festivals lieferten die New Yorker Avantgarde-Ikonen ein Set, das an Wahnsinn grenzte und dabei ebenso ästhetisch wie verstörend wirkte. Die drei Musiker, alle in goldenen Masken, begannen mit einem langsamen Gitarrensolo, zu dem sich der Bass schwebend dazugesellte. Der Sänger, mit Sonnenmaske, sang mit tiefer, ruhiger Stimme und animierte die Menge zur Bewegung. Die Musik wechselte zwischen ruhigen, fast meditativen Passagen und schnellen, growlgetränkten Ausbrüchen. Die Übergänge waren fließend und wirkten wie ein einziger, komplexer Organismus. Die Instrumentalparts waren zahlreich und wirkungsvoll, besonders beim zweiten Song, bei dem die Band zum Klatschen animierte und die Crowd sich auf das Klangexperiment einließ. Der dritte Song begann mit einem stark verzerrten Intro, das sich wie ein akustischer Riss durch die Nacht zog. Stilistisch blieb die Band sich treu: jazzige Bassläufe, atonale Riffs, dissonante Akkorde. Imperial Triumphant ließen die Grenzen zwischen Musik und Performance verschwimmen. Wer sich darauf einließ, erlebte einen faszinierenden Trip. Ein finales Klanglabyrinth, dass das Summer Breeze 2025 in bizarrer Größe enden ließ.

Fazit

Das Summer Breeze 2025 war ein intensives Erlebnis voller Kontraste. Von sengender Hitze bis zum kühlen Regen, von kompromisslosem Death Metal bis zu kinderfreundlichem Dino-Metal. Zwischen epischen Headliner-Shows und kleinen Geheimtipps war spürbar, warum dieses Festival so besonders ist. Die Mischung aus Professionalität, Offenheit und echter Festivalgemeinschaft. Trotz mancher Kritikpunkte wie den ungleichen Toilettenregelungen bleibt das Summer Breeze ein Ort, an dem Vielfalt gefeiert wird, musikalisch wie menschlich. Wer sich auf vier Tage voller Energie, Emotion und Zusammenhalt einlässt, erlebt hier weit mehr als nur ein Metal-Festival.

Text: Lysanne Oeschey
Fotos: Synder Onler