Nachdem ich die Erstausgabe der Münchner Underground Reihe leider verpassen musste, war ich ungeheuer gespannt auf den zweiten Teil. Umso mehr da dort Beschwoerung auftreten sollten, deren Selbstbetiteltes Tape im vergangenen Jahr zu meinen absoluten Highlights zählte.
Die Stimmung war also prima und das Frühlingswetter (sowie das Wegbier) tat sein übriges. Also auf in die bayerische Hauptstadt.
Dort angekommen verzögert sich aufgrund von technischen Schwierigkeiten der Einlass, doch bei den vielen bekannten Gesichtern vor der Pforte, tut dies der guten Stimmung keinen Abbruch.
Schließlich ist es soweit, die Kellertüre öffnet sich und kaum habe ich zuerst den Bartresen aufgesucht und mir hernach ein gutes Plätzchen vor der Bühne ergattert, geht es schon los mit der wilden Kerkersause.
Das heißt- nein, eigentlich beginnt das Fest erstaunlich ruhig, gemächlich. Aus den Leipziger Katakomben entkommen beginnt der Synthesizer-Hexer von Albdruck (https://alpdruck.bandcamp.com) sein Spiel und verwandelt mit verträumten Retroklängen den Kellerraum in die Wälder Fangorns und die Kerker Isengards.
Atmosphärisch, aber vielleicht ein wenig zu meditativ für einen ersten Act. Das Bier in Kombination mit der ruhigen Musik lässt mich müde werden. Da nimmt das Set fahrt auf, ein Drum-Beat und eine Gauklermelodie ertönen. Doch bevor das Publikum so richtig aus seiner Trance erwacht ist, ist auch schon das Set vorbei und es geht in den ersten Umbau.



Weiter geht es mit Mißträu (https://misztraeu.bandcamp.com), deren Set für mich ein wenig aus dem Rahmenprogramm des restlichen Abends fällt. Noisige Industrialklänge scheppern durch den Keller, irgendwo zwischen dem Großstadt-Expressionismus der Einstürzende Neubauten und den experimentellen Beats von Death Grips ätzt sich der Sänger durch sein Set. Unterbrochen von DSBM-artigem Schreigesang des Bassisten, (der für meinen Geschmack jedoch etwas schwachbrüstig verhallt). Gut zu Gesicht stehen ihm allerdings die an Peter Hook gemahnenden Bassläufe. Insgesamt ein spannendes und polarisierendes Projekt, dass auch in meiner Gruppe noch zu einigen Diskussionen in der Raucherpause geführt hat.
Große Einigkeit hingegen herrschte darüber, dass Beschwoerung (https://beschwoerung.bandcamp.com), der aktuell wohl frischeste und mystischste Geheimtipp im deutschen Untergrund ist. Es ist mir schon seit langem ein Unbegreifliches, dass jede Black Metal Gruppierung ihre Konzerte als Rituals bezeichnen muss, aber hier ist nun eine Gruppe, dies mit Fug und Recht behaupten kann. Was die drei Jungs (die auf die kauzigen Namen „Splitter“, „Hagelrufer“ und „Der Verkünder Des Triumphalen Tempels Des Über Allem Thronenden Namenlosen Geists“ hören) hier zum Besten geben ist nichts anderes als der perfekte Soundtrack um sich im Fliegenpilz-Rausch in finsteren Wäldern zu verlaufen. Hypnotisch, Hymnisch, Extatisch. „Trettet ein in den Bannkreis“ beginnen Beschwoerung ihr Ritual – und ja sie behalten Recht: gebannt bleiben wir bis zum Schluss und lauschen ihren finsteren Anrufungen.






Mitternacht rückt nun immer näher und düsterere Schatten ziehen sich durch das Kellergewölbe als die Leipziger Blutsauger von Wampyric Wrath (https://wampyricwrath.bandcamp.com) die Bühne stürmen. Rohe, kalte Gitarrensalven brechen über uns herein wie der frostige Karpatenwind. Doch dies ist nur die Ankündigung für den Untoten höchstselbst: wie ein Schwarm Fledermäuse rast der Night Creeper von einer Ecke der Bühne zur nächsten, nur im nächsten Moment auf den Verstärker zu klettern, um einem Wasserspeier gleich über dem Publikum zu thronen. In mittelalterlicher Kriegsherrenpose genehmigt er sich zwischen den Songs immer wieder einen Schluck Rotwein (oder doch Blut?) aus einem großen Messkelch nur um hernach umso erbitterter Gift und Galle über seinem Publikum zu spucken.
Doch schließlich ist es Zeit wieder zurück in die heimische Gruft zu kehren, und so nimmt der Spuk schließlich sein wohlverdientes Ende.

Text und Bild: Salamander

