In Jorge Graus 1974 erschienenem Counterculture Zombie Shocker No profanar el sueño de los muertos (zu Deutsch Let Sleeping Corpses Lie) hört man – nach der Hälfte des Films – den von Arthur Kennedy gespielten, konservativen Polizeichef ausrufen: „You’re all the same, the lot of you, with your long hair and faggot clothes. Drugs, sex, every sort of filth! And you hate the Police, don’t you.”
„Drugs, sex, every sort of filth” scheint auch das Motto der argentinischen Doom-Rocker von Mephistofeles (https://mephistofeles.bandcamp.com) zu sein. Mit der Schmuddelästhetik okkult-kitschiger Pornomagazine der 70er (die legendären Bitchcraft-Heftchen kommen ins Gedächtnis) und Titeln wie „Wizard of Meth”, „Addicted To Satan” oder ganz simpel „Whore” ist eigentlich bereits alles gesagt. Hier spielt der Geist, der stets verneint, vor allem aber das Gute, Schöne und Sittliche.
Doch so garstig das Image des Trio Infernale, so locker und entspannt sind sie dann tatsächlich. Na gut, das Set mag fast eine Stunde nach dem eigentlichen Zeitplan anfangen, doch das tut der Stimmung keinen Abbruch. Die Gäste (und für einen Dienstagabend in Ingolstadt sind erstaunlich viele gekommen) genießen vor dem Kap94 noch den warmen Sommerabend bei Schnack und Bier. Auch die Musiker gesellen sich dazu und sind sich nicht für Gespräche, Fotos und sogar das eine oder andere Autogramm zu schade.
Mit dem Untergang der letzten Sonnenstrahlen ist es dann aber so weit. Die PA wummert und dröhnt, als sich die Argentinier daranmachen, ihre Schwarze Messe zu zelebrieren. Was sie darbieten, ist so einfach wie wirkungsvoll: Im Grunde nichts anderes als fuzziger, dreckiger Bluesrock der psychoaktiven Sorte (man denke an die ersten vier Sabbath-Alben oder das eine oder andere Machwerk von Electric Wizard), in dem sie augenzwinkernd blasphemisch Mord, Totschlag und Rauschzustände jedweder Couleur predigen.
Schwer und stickig wie die Musik hängt schon bald der salzige Schweiß in der Luft, während die Menge der Hitze zum Trotz alles gibt – in einem manischen Veitstanz, der kein Morgen kennt. Die Lichtshow tut ihr Übriges, oder vielleicht liegt es auch an dem Joint, den ich mir vorhin geschnorrt habe, aber für einen Moment verwandelt sich das Kap in eine Lavalampe, in der es blubbert wie in der Bong des Leibhaftigen.
Mephistofeles aber laufen derweil zur Höchstform auf. Hat der Sänger nicht vor drei Songs schon erklärt, dass jetzt dann gleich der letzte Song des Abends käme? Egal, er hat Bock und wir auch.
Doch nach ein bisschen über einer Stunde dreckigster Rockmusik ist dann auch Schluss. Drei verschwitzte, aber übers ganze Gesicht grinsende Musiker steigen dankbar von der Bühne, und ich mache mich auf die Suche nach einem Feierabend-Joint, während ich über die Ethik des Blaumachens am nächsten Tag philosophiere, denn direkt schlafen gehen kann ich – trotz dräuenden Frühdiensts – nach so einer Show noch nicht. Langhaarig, verschwitzt und bekifft – also genau die Sorte Hänger, die der Polizeichef damals so sehr verdammt hat.

















Text: Salamander
Fotos: Salamander & Aru Neme

