Voidfest 2017

akkreditiert über den german Rock e.V.

Void Fest 2017, Waldmünchen, Oberbayern – 18. & 19.08.2017

Void Fest. Sagenumwobenes, mythenumranktes, Void Fest.

Endlich ist es wieder soweit. Ich muss sagen, selten habe ich mich so auf eine Wiederholung eines Festivals gefreut. Nicht weil man endlich da diese Band XY, die man schon immer mal live sehen wollte, sieht sondern weil hier genau das Gegenteil eintritt. Man kennt ein, zwei, drei Bands aus dem Lineup und das wars dann auch schon. Und bei dem Rest kann man sich blind auf den Musikgeschmack der Veranstalter verlassen. Definitiv geht man von hier mit neuen Bands und sogar einigen neuen Erfahrungen, was im eigenen musikalischen Horizont noch gefehlt hat, nach Hause. Zumindest ging mir und einigen anderen Besuchern mit denen ich gesprochen habe, das jetzt schon zum zweiten mal in Folge so.

Dieses Jahr findet das Void auf einem neuen Gelände statt da sich die ursprüngliche Location der letzten Jahre “ausruhen” muss. Verständlich, denn selbst als sonst eher hartgesottene Wiese muss man so viel Eindrücke und Erfahrung erst einmal verarbeiten. Also auf in den Bayrischen Wald nahe der tschechischen Grenze. Nach 2 Stunden Fahrt über Autobahn und Dörfer hab ich mich schon auf eine längere Suche nach dem Gelände eingestellt. Meiner Meinung nach gehört das suchen und finden der Location hier schon zum Festivalerlebnisrahmenprogramm. Aber die Odyssee blieb diesmal aus. Zwar nur ein Schild und das auch noch in die entgegengesetzte Richtung, aber dann war das Gelände doch schon von weitem sichtbar.

Angekommen erstmal einen bühnennahen Platz gesucht damit der Herr Fotograf sein Equipment nicht durch den halben Bayrischen Wald schleppen muss und dann ab zum Bändchen holen und Hallo sagen.

Ein wenig Zeit hatten wir noch bevor die ersten Bands loslegen. Diese wurde auch gleich dazu genutzt um die Markise vom Bus mit (Kunst-) Efeu und (LED-) Lampions zu verzieren (neben der, nach der langen strapaziösen Fahrt, obligatorischen und absolut notwendigen Auffüllung der Flüssigkeitsspeicher natürlich).

Ill Wicker

Weiter im Zelt mit Ill Wicker aus Göteborg. Netter Hippie Sound mit Geige und Flöte und so. Muss man mögen. Schlecht umgesetzt finde ich es auf jeden Fall nicht. Ich denk mir “mal was neues” und hör es mir gerne ein paar Songs lang an. Und wer in seiner Freizeit, oder auch professionell, gerne nackt um ein Lagerfeuer tanzt der findet hier den passenden Soundtrack dazu.

Demon Head

Kurz am Bus rumhängen und schon gehts auf der Mainstage weiter mit Demon Head. Ziemlich retro, im Stil von Black Sabbath und Pentagram, der Sound der Dänen. Schöner bluesiger Retrorock eben. Bisschen doomig aber immer mit Groove. Kann man dem geneigten Hörer mit gutem Gewissen ans Herz legen.

UADA

Deutlich härter präsentieren UADA als nächster Act ihren Sound auf der Tentstage. Die Portlandianer (oder wie heißen die die aus Portland sind?) liefern sehr groovigen, eingängigen und dennoch knüppelharten und sehr flotten Black Metal ab. Sehr saubere Gitarrenarbeit und eine über allem hängende Lead Gitarre. Mir gefällt der Sound extrem gut und von den Jungs im Kapuzenpulli hört man sicher in Zukunft noch mehr.

ZU

Das also ist ein Bariton Saxophon und so klingt das. Das war so ziemlich mein erster Gedanke als ZU auf der Mainstage loslegten. Ganz schön brutaler Sound mit Bass, Schlagzeug und ebenjenem Bariton Saxophon. Sogar Mike Patton himself und die Melvins gaben sich schon die Ehre mit den Römern von ZU. Reinhören und sich selbst ein (Sound-) Bild davon machen ist unbedingte Pflicht!

Hildegard VBD

Hildegard VBD (von Binge Drinking), Tentstage. Bandname schonmal geil. Bühnenoutfit ebenso. Kann jetzt nicht mehr so viel schiefgehen. 😉 Ziemlich anders ist auch der Sound der zwei Würzburger. Viel elektronische Sounds und abgedrehte Grooves dominieren den Sound. So kommt die alte Universalgelehrte Hildegard auch nochmal zu ganz anderen Ehren. Und Rick Mcphail darf bei Loom durchs Video skaten. Auch nett.

Travelin Jack

Travelin Jack aus Berlin zeichnen vor allem die aufwändigen Bühnenoutfits aus. Den Sound find ich eher so Standard 70er Hard Rock. Wers mag und nachhören will kann das auf den zwei bereits erschienen Studioalben machen.

Venom Prison

Wieder deutlich eher nach meinem Geschmack bolzen Venom Prison auf der Tentstage los. Brutaler Deathmetal mit Larissa Stupar (bis 2014 bei Wolf Down) als Frontfrau. Stampfende Gitarren, Stakkato Rhythmen abwechselnd mit gerne auch mal melodischen Parts. Dank Venom Prison beschäftige ich mich jetzt glaub ich wieder mehr mit Death Metal an sich.

The Well

The Well: Psychedelic Rock aus Austin. Die Bassistin und der Gitarrist teilen sich die Arbeit am Mikrofon. Die Mischung aus Frauen- und Männerstimme harmoniert sehr gut mit den durchaus spacigen Riffs.

Oozing Wound

Weiter im Zelt mit Oozing Wound. Schöner 80er Jahre Thrash. Technisch sauber, unprätentiös und groovige Riffs. Ich finds geil und viel mehr gibts dazu auch nicht zu sagen.

Belzebong

Als Mainact auf der Mainstage machen Belzebong aus Polen den Rausschmeißer an diesem Abend. Stoner Metal vom feinsten bei dem man den “fehlenden” Gesang keine Minute vermisst. Der perfekte Sound um den erlebnis- und erkenntnisreichen Tag gechillt ausklingen zu lassen.

Das war also schon der erste wundervolle Tag dieses wundervollen Festivals.

Zwischendurch musste der Bandbetrieb kurz unterbrochen werden weil Sintflutartige Regenfälle das Festivalgelände in eine Matschgrube verwandelten.

Aber halt so ganz war es das noch nicht. Traditionell folgt auf dem Void nach der letzten Band die legendäre Aftershow Party. Aber getrost nach dem Motto: “what happens at the Aftershowparty stays at the Aftershowparty” bleiben die Geschehnisse euren wildesten Fantasien überlassen.

Ebenfalls noch so eine Tradition: Die ersten Bands des zweiten Tages spielen normalerweise auf dem Campingplatz. Dieses Jahr, ich denke aufgrund der Regenfälle die den Campingplatz in ein Schlammbad verwandelten, wurden diese in die Tentstage verlegt. Größtenteils sehr punklastig wird man hier zum Frühstück unterhalten.

Unforgivable

Astroboy

Los gehts auf der Mainstage mit FuzzPop von Astroboy aus Berlin. Ziemlich minimalistischer aber trotzdem fetter Sound. Perfekt als Einstimmung auf Kommendes. Aber so richtig Pop ist das dann meiner Meinung nach nicht, eher so Fuzzy Garagenmucke, und wenn doch dann gefällt mir das jetzt auch? 😉

Akne Kid Joe

Full Moon Fiasco

Los gehts am Samstag auf der Mainstage mit Full Moon Fiasco. Die Multikulti Band aus Berlin vereint Musiker aus aller Damen und Herren Länder wie Neuseeland, Südafrika, Kroatien und Deutschland. Toller melodischer psychedelic Sound.

Down With The Gypsies

Down with the gypsies. Hier weiß man nicht so recht wo die Improvisation aufhört und der Rest des Songs anfängt. Und das ist absolut nicht negativ gemeint. Als erstes würde mir hier der Begriff “Worldmusic” einfallen. Wobei ich gar nicht so genau weiß was das überhaupt sein soll aber hier passt er.

Ohhms

Ohhms: Fetziger Sludge / Classic Rock Hybrid vom feinsten. Harter Groove und teils cleaner und teils rotziger Gesang eines sehr ekstatischen Sängers. Einfach mal anspielen lohnt sich in jedem Fall.

Limestone Whale

Limestone Whale sind quasi die Locals hier da aus Bayern kommend. Mit ihrem erdigen Retrorock stehen ihnen aber auch sicher die Bühnen in aller Welt offen wenn sie einfach so weitermachen wie sie 2016 begonnen haben.

Groundhogs

Weiter auf der Hauptbühne mit den altgedienten Groundhogs die sehr soliden 70s Bluesrock darbieten. Im Gegensatz zu den anderen Vertretern aus der Zeit und Genre wie zb Cream blieb den Groundhogs grösserer kommerzieller Erfolg leider verwehrt. Dabei können sie meiner Meinung nach mit dem hier dargebotenen auf jeden Fall gut mithalten. Was man ihnen sicher bescheinigen kann ist konstante musikalische Aktivität. 1963 gegründet und bis heute aktiv. Das müssen andere erstmal nachmachen.

Cult Of Occult

Cult of Occult mit ihrer düsteren Mischung aus Sludge und Blackmetal zerstören sie die Tentstage und die mentale Verfassung des geneigten Publikums gleich mit. Die Songs der Band werden mich auf jeden Fall noch länger beschäftigen. Unbedingtes Muss für Anhänger des düsteren Sounds ist die aktuelle Scheibe “Five Degrees of Insanity”. Und diese bitte von Anfang bis Ende durchhören da die Songs ineinander übergehen und aufeinander aufbauen!

Yuri Gagarin

Als nächstes beehren uns Yuri Gagarin auf der Hauptbühne mit innovativem Space Rock. Innovativ weil deutlich härter als die sonst genreüblichen Vertreter. Sehr saubere Gitarrenarbeit mit abwechselnden Solis und feinen Riffs und tolle Synthesizer Arrangements prägen den Sound von Yuri Gagarin. Meiner Meinung nach steht dem Space Rock diese zusätzliche Prise heavyness mehr als gut. Gefällt mir!

Paramnesia

Weiter im Zelt mit majestätischem Blackmetal von Paramnesia. Sehr zum Wohle des Sound werden hier gerne die Grenzen des sonst schon recht eng abgesteckten Genre des Blackmetals überschritten oder zumindest recht flexibel ausgelegt. Majestätische Intros gehen über zu Blackmetal typischen Blastbeats und Geschrei. Welches sich dann wieder mit Elementen aus dem Hardcore und melancholischen Parts übergehen.

The Underground Youth

Deutlich ruhiger geht es auf der Hauptbühne mit The Underground Youth weiter. Fast schon poppig dann aber doch wieder sehr Garagerockig und mit Anleihen aus dem Gothic kann man den Sound von The Underground Youth beschreiben. Irgendwie kommt mir jetzt beim Nachhören und schreiben dieser Zeilen als erstes Joy Division in den Sinn. Wer also auf ebenjenen Sound steht unbedingt mal reinhören!

Death Alley

Hawkwind lassen grüßen. Als nächstes bringen Death Alley die Stimmung im Zelt zum Überkochen. Ich muss ehrlich gestehen der Sound macht hier noch mehr Laune als auf der “großen” Bühne vor ein paar Wochen beim Rock im Wald. Ein Fest für alle Denimkuttenträger.

Spelljammer

Slow und heavy zerlegen Spelljammer als letzter Act des Tages und somit auch des Festivals die Hauptbühne. In bester Doom Metal Tradition drücken sich die brutal schweren Riffs direkt in die Gehörgänge. Die Anleihen bei Sleep sind vor allem bei der Gitarrenarbeit schon immer mal wieder zu erkennen, was sich aber auf keinen Fall negativ auf den Sound auswirkt. Für Fans von klassischem Doom Metal auf jeden Fall pflicht!

Das war es dann (leider!) auch schon wieder mit dem Voidfest für 2017. Man sieht sich dann hoffentlich 2018 wieder. Wir freuen uns auf jeden Fall schon drauf!

Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal an das Orgateam für dieses grandiose Festival und die exquisite Bandauswahl!

Text: Florian Schönberger
Fotos: Lars Oeschey

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