10:00 Uhr am Donnerstagmorgen, die Frisur sitzt, was bei mir recht einfach ist – Haargummi und der einzig wahre Lederhut, scho is gut – und pünktlich steht Lars mit seiner neuen Familienkutsche vor meiner geheimen Wohnzelle. Die paar Sachen in die Karre geschmissen und ab dafür. Verkehr ist angenehm, keine Zwischenfälle (als Beifahrer beschwer ich mich auch ned so über die grenzwertigen Mittelspurfahrer, diese Seuche) und so schlägt uns zwei Stunden später ein Temperaturklatsche um die Ohren als wir aus dem klimatisierten Innenraum in die ultraheiße Luft von Neuensee steigen. Uff, der Zeltaufbau ähnelt einem Saunagang. Aber, lieber so als Pisswetter.
Und schon beim Bändchen Abgreifen spüren wir wieder die familiär freundliche Stimmung. Im 10ten Jahr kennt man uns schon mit Namen, so erübrigt sich einiges an Vorstellung und Erklärung. Leute, ihr seid einfach grandios.
Alos, nun kann die Sause starten.
15:10 – 15:50 / Mount Hush
Auf die Sekunde pünktlich wird das RiW ´26 durch eine kurze Ansage eröffnet. Rock ´n Roll that´s the shit, mehr war´s dann eigentlich auch ned und schon erklingen die ersten brummigen psychedelic Klänge aus den Boxen. Bis ein Snare Aufbau in groovige 70´s Gefilde mündet und die ersten Kopfnicker provoziert. Ja, es ist brutal heiß, aber, who cares. Vor der, in der prallen Sonne stehenden Bühne, breitet sich der sauber gepflegte Sportrasen aus, welcher ab dem ersten Ton einen maximalen Zulauf erhält. So verwundert es nicht, dass der Raum zwischen Bühne und FOH, obwohl es dort sicher warm genug ist, um sich seine Meeresfrüchte ohne gesundheitliche Bedenken haben zu müssen, erwärmen könnte, instant gefüllt ist. Man merkt die Feierfreude in jeder schweißtriefenden Pore eines jeden vor Ort. MOUNT HUSH geben ihr ihriges dazu, und präsentieren ohne großartige Überraschungen, ein stabiles, leicht stoner lastiges Post Rock Set. Äh fuck, gibt´s Post Rock überhaupt? Ach, fick die Henne, für echten 70´s Sound sind se zu straight, für klassischen Rock zu verspielt. Lebt einfach mit meinen Musik Bezeichnungen. Mein Text, muhaaa.








16:20 – 16:10 / Sons of Arrakis
Starker Einstieg von den Jungs. Bassig schwerer Dessert Rock. Also gut, (Hallo Silke), bei den Söhnen des Wüstenplaneten, was willst erwarten als staubigen, tote Pflanzenauswüchse vorbeitreibenden Rock, der die Weite und Einsamkeit einer Trockenlandschaft in sich trägt und mittels drückendem Bass, stampfenden Drums und einer in der Höhe angesiedelten Stimme, die das Auditorium zum kollektiven, nun gut, Schwanken anregt. Wär´s ein paar Grad kühler, würde es sicherlich die ersten dazu bewegen, zu hüpfen und zu springen, aber, wollen wir mal Kreislaufschäden vermeiden und verschieben Kreislauf in Form von Mosh Pit auf die Abendstunden.
Back to the Musi, die steht hier nämlich klar im Vordergrund, sonst wär der Grund davor auch ned so gut befüllt. Mit einer gewissen, aber nicht zu dominanten „Queens of the Stone Age” Schlagseite, wuchten Song nach Song ins Volk. Sauber zelebrierte Soli lockern den treibenden Beat auf, der direkt und ansonsten ohne Umschweife genau das macht, was er soll, druckvoll nach vorne schieben. Zwischendrin darf der gute Paul oder einer seiner Konsorten ein paar kluge Sprüche vom Stapel in das nichtexistierende Wasser lassen, welche dann aus doomigen Höhlen den heiligen Kriegern des Rock durch die PA jagend, ihren Weg in die Weiten des Einödplaneten auf musikalischen Schallschwingen nehmend, zum Angriff blasen. Ein Wurmloch erzeugend, trägt der Sand die Höhrerschaft in eine Zeit jenseits der Vergangenheit, in die Zukunft des… Ach, noch zu früh um hier poetisch voll abzugleiten. Es fetzt, es verspuhlt, was will man mehr um diese Zeit an diesem Ort. Pack ma uns also a bisserl „Spice” hinter die Kiemen und lassen uns mittreiben.






17:40 – 18:30 / The Good, the Bad and the Zugly
Yeah, und nun hält der Punk Einzug im RiW. Die Norweger legen mit einer ordentlichen Kante „Refused” die Party-Stimmung ein paar Lagen höher. Mehrstimmiges Geschrei der melodiösen Sorte mit schnalzigen Hooks und ab und zu rasanten, meist im Mid Tempo Bereich angesiedelten Punk-Rock Songs der knackigen Art. Den nordeuropäischen Einfluss, aber klar, bei der Kapelle aus der nördlichen Hemisphäre, ist permanent zu spüren. Was auch immer die bei denen ins Wasser packen (die geniale Kulturförderung kanns ja ned allein sein, oder doch. Tja, nehmt euch mal ein Beispiel ihr dummen deutsche Politiker; und aktuell haben wir ja eh den Niedergang der Kultur in diesem Land heraufbeschworen). Der Sänger hat sichtlich Spaß, und seine Ansagen sind an alberner Grenzwertigkeit wohl schwer zu überbieten. Aber der Rest steht ihm nicht wirklich nach. Gut gebaute Rock Schweine zelebrieren eine Party, der sich wirklich keiner entziehen kann. Der Pogo hält sich zwar in Grenzen, verständlich bei gefühlten 90°C und realen 36°C. Nichtsdestotrotz ist die Fläche vollgefüllt, zwischen Bühne und FOH ist keine Handbreit mehr Platz. Und gemeinsam wird eine Punk Rock Party abgefeiert, wie es die etablierten altgedienten Herren dieser Sparte sich oft gern auch wieder wünschen würden. Hey ho, let’s go, Party hard und ab dafür.














19:15 – 20:10 / ¡Pendejo!
Während des Soundchecks möcht man meinen, Mexico hält Einzug in den Wald, aber als nach einer kurzen Verzögerung dann die Ansage den Reigen eröffnet, offenbart sich, die mit Bläsern und spanischem Akzent ausgestattete Kombo stammt aus dem europäischen Flachland. Btw, die höchste Erhebung im Land der Tulpen und des Käse, misst grad mal 322,4 m. So, Bildungsauftrag erfüllt. Weiter geht´s mit von Bläsern unterlegtem Doom Rock. Bläser an sich mag ich ja recht gern, bringen Sie doch eine schöne Klangfülle und ordentlich drive in den Sound. Genau das ist hier auch der Fall. Schrubbelnder Bass, treibende und wuchtige Drums erhalten eine Klangfläche aus Posaune, Trompete und Tuba, was extra Druck verleiht. So wabert eine kritische Masse aus punkig skaigem Stoner aus den Boxen. Und, der untergehenden Sonne geschuldet, gibts nicht nur jede Menge Bewegung auf, sondern auch vor der Bühne. Der Pogo Reigen ist nun endgültig eröffnet. In den ausgedehnten Zwischenparts und Breaks vermischen sich Bläser und Saiten Instrumentalisten in einen wabernd groovenden Einheitskörper, der Berserker mäßig über die Grünfläche schiebt und, dirigiert vom Frontmann, alles vereinnahmend mit sich reißt. Bis ein psychedelischer sphärischer, mit viel Hall unterlegter Picking Part sich in Stratosphärenhöhen schraubt und die dominante, aber alles andere als deplatzierte Trompete das Zepter übernimmt, die restlichen Bläser einstimmen, nur um dann von einer Wall of Sound von Schlagzeug und Bass wieder auf den harten Grund geschleudert zu werden. Mächtig, majestätisch, wie ein Gebirgszug der Pyrenäen schlängelt sich der Sound durch die fränkische Landschaft, um alles vereinnahmend den ersten Abend des RiW ´26 stampfend einzuläuten. Nice.













20:30 – 21:35 / Ghostwoman
Pünktlich zur angesetzten Zeit setzt nicht nur eine Sturmböenfront ein, sondern auch eine Reduzierung der Besetzung auf der Bühne. Aus vielen werden zwei. Und die Lady am Schlagzeug zeigt ab dem ersten Schlag, hier wird ned unnötig rumgeschallert. Direct in your Face Psychedelic Rock ballert aus den Boxen. Und wenn sich wohl auch alle Bands in solch einer Konstellation, den Vergleich zu den „White Stripes” anhören müssen, die Zwei müssen es sich nicht gefallen lassen. Eine gewisse punkige Note lässt sich zwar nicht leugnen, aber der Hauptfokus liegt doch auf den psychedelischen Ausbrüchen der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. SloMo Parts, bluesig und dickflüssig wie Lava, schrauben sich in sphärische Höhen, mit flirrenden Gitarren und laid back Drums. Die Spannungsbögen bis zum äußersten ausdehnend, bis das Knirschen der Verkabelung zu vernehmen ist, um dann abrupt zu enden, doch mit ein paar BPM wieder einzusetzen. Liebevoll emotionales Klanggut, an „Pixies” gemahnend, experimentiert sich in druckvollere Gefilde, fällt wieder in sich zusammen, ohne es wirklich zu vermitteln. Boing, steigt der Beat hin zum groovigeren, rockigeren. Dampfmaschinen gleich, gleist sich der Sound einen Weg aus den Boxen in die Welt. Monotonie der Variation, ohne zu variieren, stampft schnörkellose Kopfnicker Mucke durch die Leute. So verdichtet kann sich dem auch niemand entziehen. Entsprechend verbindet sich die Menge mit der Mucke, alles wird wie ein riesiger Körper, der durch die Tristesse eines verwilderten Waldes wandert, imposant, intensiv, und auf jeden Fall den Slot wert. Die heftige Blues Kante, gemischt mit psychedelischen Langpassagen, ergänzt das Bild der einsetzenden Abenddämmerung und den gigantischen Gebilden am Himmel, als wär es ein Ölgemälde eines bekannten Romantik Malers.








22:15 – 23:30 / 1000mods
Zum Finale lassen es die kilomässigen Modifikationen auch nochmal richtig scheppern. Druckvoller Wüstensound wabert aus der PA, lässt die Menge zappeln und die Beine wippen. Einheitlich, wie Tang in der Brandung bewegt sich die Menge im Takt, und es wird bis in die letzte Ecke gefeiert. Inzwischen ist es auch so dunkel, dass die Bühne wie ein diabolisches Elmsfeuer den Eingang zum Hades weist. Eine einspurige Straße, hunderte von Meilen lang, durch ein sandiges Ödland, Knochen von Roadkills und einfach nur ausgetrockneten Fellviechern zieren die Böschung aus längst schon abgestorbenen Strauchgewächsen. Dumpf stampfend treibt die Bass Drum den Sound voran, wie eine unaufhaltsame gut geschmierte Dampflock. Die Gitarren werfen sich gegenseitig die abgehackten Anschläge und absolut tief gestimmten Melodien zu, unterlegt von einem ultra knalligen Bass und der kopflastigen Stimme des Sängers. Viele old schoolige Vibes mit einer gehörigen Rock Kante scheppern ungebremst in die Wand von Menschen, die freudig empfangend jeden Ton, jeden Snare Schlag und jedes tiefe Brummen in sich aufnehmen und ihrerseits durch rhythmische Bewegungen wieder zurückwerfen. Haare fliegen im leichten Nieselregen, Körper prallen gezielt aufeinander, und die paar Nasen, die noch am Bierstand nach Verköstigung lechzen, können das nicht mit ruhigen Muskeln tun, aber was ist schon das ein oder andere verschüttete Bier im Vergleich zu diesem, den Körper dominierenden Sound. Ein würdiger, druckvoller und massiv bewegender Abschluss, für den Eröffnungstag der ´26er Ausgabe der einstigen Geburtstagsfeier und des inzwischen fest installierten Happenings der Stoner & Dessert Rock Gemeinde.













Tag 2
13:50 – 14:30 / Bury a Phoenix
Hossa, was geht denn da ab. Metalcore mit Frontfrau und dem klassischen Sing- und Schrei Gesang im Wechsel. Groovige Melodien und brachiale Breakdowns, unterlegt von Double Bass Passagen. Das gibt n guten Weckruf ab. Zumal wir den eigentlichen leider verpasst haben. Um 10:00 Uhr hat schon „BIG BULL” für die ersten Klänge gesorgt, aber da das Ordnungsamt etwas gegen unsere Zelte am Presse-Parkplatz hatte, mussten wir notgedrungen Umziehen. Also, das ganze schweißtreibende Spiel von gestern aufs Neue. Das hält die alten Säcke fit, aber macht auch gleich wieder faul, weil ich brauch dann erstmal eine verschnauf und reinigungs Pause.
Aber nun, frisch, platt und motiviert gehts auf den Sportplatz, und Sport wird geboten. Denn auf der Bühne wird gesprungen, gehüpft und abgemoshed, als ob wär´s 22 Uhr abends. Grad die Frontfrau geht ordentlich ab und genießt sichtlich das Set auf der Bühne, während davor immer mehr Nasen den Weg auf den Platz finden. Und nach den ersten 20 Minuten ist auch wieder alles gut gefüllt und einige auch gut befüllt.
So kanns doch mal sauber weitergehen, denn ansonsten sagen mir ausnahmsweise auch die restlichen Bands des heutigen Tages, bis auf die letzten beiden natürlich, recht wenig. Und ich freu mich immer auf Neues.







15:00 – 15:40 / Kryptograf
Nach dem recht modernen Core Geschredder, wird nun ein paar Jahrzente in der Zeit zurückgesprungen. „Deep Purple” meets „Pink Floyde”. Das rockt, aber ist chillig genug um auch einfach nur auf der Wiese abzugammeln. Wobei, viele hälts da nicht. Ob der gleißenden Sonne, locken die Norweger die meisten der vor Ortigen vor die Bühne. Einen wilden Moshpit darf man natürlich nicht erwarten, aber kollektives Wanken und Wippen. Da die Mucke absolut souverän und stabil vorgetragen wird, aber ohne auffällige oder große Überraschungen auskommt, lassen wir´s uns auf der flauschigen Wiese weiter gut gehen, und genießen Schatten, bassigen Rock und, na, was halt so dazu gehört. Gut, ein permanentes Wippen der Füße lässt sich nicht vermeiden. Dafür dringt der Sound dann doch zu sehr über Boden, Knochen und Gehör ins Innere der Party Rezeptoren, welche ein Stillsitzen oder Liegen unmöglich machen.






16:15 – 17:05 / The Tazers
Drehen dann den Fuzz noch ne ordentliche Spur mehr auf und packen in ihren Retrosound noch eine gute Schippe Punk mit rein. Rauskommt dabei eine spaßige Mischung aus groovigem Rock und mega tanzbaren Stücken. Die drei Wuschelköpfe auf der Bühne haben auch sichtlich Spaß und teilen diesen bereitwillig mit der Meute. Kopfnicken über den ganzen Platz, die Bierbänke beginnen zu wackeln und der Boden etwas zu beben, denn der Pit findet so langsam auch einen höheren Gang und die Haare kreisen und wallen im Takt der Südafrikaner. Kurze schrille Soli wechseln mit bluesigen und ausgedehnten psychedelic Parts, um dann in eine Hook zu gleiten, die zweistimmig sehnsüchtige Gefühle von Weite und Freiheit versprüht. Cooles Zeugs und für die Uhrzeit ein richtig feiner Anheizer









17:35 – / Puta Volcano
Aus dem südlichen Afrika, geht die Reise nun ins südliche Europa. Die Griechen schlagen eine ordentliche Female Fronted Rock Kante an. Stampfend pumpt das Schlagzeug den Beat voran, ein fetter Bass grooved mit der Gitarre im Wettstreit, wer mehr Beine zur Bewegung zwingt. Und über diesem brodelndem Gemisch thront eine Rockröhre vor´m Herrn, dirigiert das dicht an dicht stehende Volk, zelebriert die Texte in theaterhafter Manier zu einem gemeinsamen wuchtigen Rock Konzentrat, das sich gewaschen hat. Ab und an machen sich zarte „Tool” Anleihen bemerkbar. Sehr versteckt, aber spürbar. Verspielte und leicht anmutende Parts, die sich von einem simplen Startpunkt, in komplexe wuchtige Riff Monster verwandeln. Unmerklich, aber unnachgiebig. Um nach solchen Eskapaden wieder den Boden unter die Füße zu bekommen, werden stakkato Gitarren und laid back Schlagzeug eingesetzt, das Tempo angezogen und nach vorne gerockt, was nur geht. In den Übergängen der Songs und Zwischenparts gibts jede Menge sphärisches Gitarrengeklimper, bringt eine Fluffigkeit in das Set, wie aufgequirltes Eiweiß in einem japanischen Rührei. In Summe also ein rickenstarkes Set das hier abgeliefert wird von den Herren und der Dame. Die sind zum zweiten Mal beim RiW am Start, und sicher wird irgendwann auch ein Drittes folgen.








19:00 – 19:55 / Blood Command
Nach einem Game of Thrones artigen Intro legt ein, ich würd´s mal Fun Core nennen, Sturm über die Fläche. Das Energielevel steigt um 10 auf Maximaltemperatur und das kleine Energiebündel am Mike springt wie ein Hüpfball über die Bühne. Ist dabei aber so stimmsicher als würde sie entspannt auf der Couch sitzen. Zusammengewürfelt aus Norwegen und Australien, weiter auseinander gehts ja so gar nimma, wird eine Partyrakete abgefeuert, und die Menge fängt Feuer. Circle Pit ab dem zweiten Song (auf nem Stoner Festival hast des a eher seltener) zeigt, das ist genau das Auflockerungsprogramm, das jetz richtig guttut. Wie ein Verdauungsschnaps zwischen dem dritten und vierten Gang bei einem edlen Abendessen. Irgendwo zwischen „Hatebreed” und „Mindless Self Indulgence” ballern die einen Speed Brecher nach den anderen Raus. Alle mit 110% Party durchtränkt. Fuck is ganz klar das Lieblingswort der kleinen Dame. Wenn Yolandi von „Die Antwoord” auf Speed ein Metalprojekt starten würde, das wär wohl dass, was hier zu hören is. Ich bin begeistert, so geil und fett. Generell finde ich die Mischung dieses Jahr sehr gelungen. Monotonie stellt sich jedenfalls nicht ein. Die Combo geht schon mal anders steil ab.














19:55 – 20:20 / Jimmy Glitschi (Holzbockstage Part 1)
Die Damen bleiben auch weiter dominant am Mikro, Female Fronted im Rock und Metal wird zum Glück auch auf den Festivals immer normaler. Wobei, eigentlich sollt´s ja abnormal sein, wenn nicht. Musikalisch bewegt man sich aber wieder zurück zum Stoner Charakter der Veranstaltung. Allerdings mit einer funkig frechen Note. Die kleine Bühne muss einiges an Energie abfangen, denn auch wenn die Vorlage auf der Hauptbühne grandios war, hier schreckt man davor nicht zurück, sondern greift diese Steilvorlage auf und transformiert sie in schwere Doomparts, räudige Rock Schubser, wabernde Instrumental Teile, eruptive Offbeat Kracher und verspielt funky punky Hüpfer. Das Publikum nimmt auch die Energie mit zu der kleinen Bühne rüber und so gibt es nahtloses abgehen auf der gepflegten Wiese. Und jung bis alt, alles ist vertreten, party hard, sehr smart.







20:35 – 21:30 / Elder
Lassen sich dann natürlich auch nicht lumpen und gehen gleich mal Vollgas. Quietschige Gitarren über verspielten Drum Rhythmen. Dann der Break und da setzt es ein, das Prog Gefrickel. Nun kommen auch die Musik Professoren auf ihre Kosten. Vielschichtige Klangwände, orchestrale Gebilde, verspielter Stoner, komplex, gewaltig und kompliziert, dabei aber auf eine einzigartige Weise eingängig und einnehmend. In den ruhigen Passagen verspielt und leichtfüßig, mit einem durchdringenden Schlagzeug Rhythmus treibend unterlegt und mehrstimmigen Gesang garniert. Dann schraubt sich die Gitarre wieder in klirrend flirrende Höhen bevor alles wieder druckvoll ineinander greift und Kopfnicker den offenen Mündern den Platz abnehmen. So progressiv hier auch heraus-gegangen wird, gleichzeitig trägt die ganze Band eine latente old school Kante an den Tag. Auf der Bühne fliegen die langen Haare, vor der Bühne die der langhaarigen Besucher. Und mit der untergehenden Sonne nimmt man auch die btw. sehr geile Bühnenbeleuchtung wahr, was diesem intensiven Musik Konsum die passende Extranote verleiht um sich gänzlich dem Schauspiel zu ergeben, hinzugeben. Die punkige Party Stimmung wandelt wieder hin zum kollektiven Treiben lassen. Die brodelnden Bewegungen des Bodens übertragen Wellen auf den Körper, die Luft ist erfüllt vom Druck, Höhen und Täler des Schalls durchwandern Körper, Nerven, Hirn. Alles wird zu einer magischen Messe aus sich zerlegenden und wieder zusammensetzenden Existenzniveaus, bis hin zur vollen Auflösung in Klang.











21:40 – 22:05 / Jimmy Glitschi (Holzbockstage Part 2)
Und auch in ihrem zweiten Set, lassen sie es sich nicht nehmen und es gibt eine erneute Funk, Punk Stoner Party vom feinsten. Die Leute steigen natürlich auch wieder mit ein, und so gibt´s eine aufgewärmte Sause, die runtergeht wie die Pizzareste nach einem Absturz am nächsten Morgen. Einfach essentiell und die letzten Kräfte wieder aus der Versenkung holend. Was es auch braucht, denn nahezu nahtlos wechselt man auf die Hauptbühne zu
22:20 – 23:30 / Fu Manchu
die frenetisch empfangen werden. Dessert Sound von einer der ikonischsten Kapellen aus der Ecke. Mit unendlich viel Fuzz, Flanger und anderen zirpenden Effekten knallen die Gitarren aus der PA. Und wenn diese kurz mal eine Lücke lassen, ist sofort der permanent wabernde Bass zur Stelle und wummert in die Magengrube der Leute. Und da das genau der Grund für die Besucher ist, weshalb sie den Weg nach Neunsee angetreten haben, recken sich klatschende Hände in die Höhe und befeiern und befeuern die formidable Stimmung auf der Bühne. Die Jungs agieren so routiniert und cool, wär die Luft nicht aufgeheizt durch den erneut brutal warmen Tag und die sich windende, ekstatisch sich bewegenden und kopfschüttelnden Leute, man müsste seine Winterklamotten auftragen. Aber so steigt man eben in einen imaginären V8 Muscle Car und brettert eine ewig lange gerade Wüstenstraße entlang, schön mit Fenster offen und Ellenbogen durch die Öffnung gestreckt. Ein kühles Bierchen in der anderen Hand und Kippe in der Futterluke. Und ja, die Maschine brettert unaufhaltsam voran, alles niedermähend was ihr in den Weg kommt. Mit Vollgas in Richtung einer Passstraße, die durch monotone Sandlandschaften über Serpentinen, die im Drift genommen werden, führt, hinein in die Nächste. So knallt Song nach Song mit maximal mal einer kurzen Ansage aus der PA. Aber Ansagen brauchts hier auch ned, die Leute kennen die Songs, also brauchts die Pausen dazwischen nur, um den Applaus hörbar zu machen. Wobei, der ist nicht viel leiser als die Fuzzorgie auf der Bühne.








00:00 – / My Sleeping Karma
Wenn man in der Umbaupause so über die Fläche blickt, ist alles schön flach. Flach, ja, weil irgendwie jeder im Gras liegt und sich entspannt treiben lässt. Und nun, besser könnte die finale Band des Freitagprogrammes dann wohl nicht passen.
Instrumentale Astralreise durch das zerebrale Nervensystem hin zu sphärische Höhen der Schwerelosigkeit. Kein Grund mehr unterm Körper, welcher weltliche Körperlichkeit erforderlich machen würde. Weit ab vom Diesseits wähnt man sich, als der Sound sich in meditativer Monotonie und wuchtiger Klangcollage über den Ort legt. Alles wie mit einer Schaumschicht überdeckt. In dieser viskosen Zähigkeit zieht es einen dann hinab und hinauf, als würde man von fremden Kräften getragen über den Meeresboden gleiten, über aufgetürmte Gebirge, tiefe Täler, Gärten aus 50 m hohem Tang treiben, nur um dann einen Abstieg in die Tiefe und Dunkelheit einer Meeresschlucht gestoßen zu werden, nach oben blickend die letzten Photonen welche die Brechungen Unterwasser noch überlebt haben, entgegenzustreben. Und soeben, dem Tiefen Nass entronnen, schraubt sich die Musik in leichte luftige Höhen. Getragen von sanften Schwingen, lässt man hinter sich die irdische Realität und gleitet in das All hinaus. Sieht hinter sich den Planeten mit der blauen Aura immer kleiner werden, bis mit unbändiger Kraft das Schwerefeld der Sonne einen in Beschlag nimmt. Ein Flyby, indessen wir die pulsierende Oberfläche aus Granulen sich in sich verdrehend und gebärend betrachten, werden wir hinaus, auf dem Weg raus aus unserem Solarsystem, durch die Oortsche Wolke, immer schneller, Raum und Zeit auflösend, ins Universum hinaus geschossen. Eine Reise hin zum Schwerefeld unserer Milchstraße oder wirklich an die Grenze des Universums, wer mag das sagen. In jedem Fall, die Reise weg vom Hier hin zum Sein. Schon ein krasser Trip, in seiner Entspanntheit und Entschläunigkeit. Ein guter Abschluss des Tages, um die Freude auf den nächsten noch zu schüren.







Tag 3
13:40 – 14:20 / Giant Lungs
Trotz meines recht stark ausgelebten Rauchverhaltens (jeder braucht n Laster, aber nicht jeder darf halt n 40 Tonner fahren) habe ich doch ein recht stattliches Lungenvolumen. Ebenso wie die namentliche Stoner Kapelle, die den finalen Tag auf der Hauptbühne einläutet. „BILLY CAT RUMBLERS” haben wir zwecks Faulheit versäumt, aber vom Campingplatz aus zumindest gehört. Stabiler Old School Rock ´n Roll der die 50´er und 60´er im Blut hatte. Die Lungenatmer sind dann eher 70’er lastig, mit einer großen Kelle Fuzz und Arschtritt Drumming. Geht gut voran, füllt die Wiesenfläche und lässt die Köpfe nicken und Knie zucken. Erstaunlich, wie nach zwei Tagen Vollbedienung, trotzdem alles vor der Bühne steht und der Band ihr Wohlgefallen lautstark in Form von Applaus und Begeisterungs-rufen entgegenwirft.
So motiviert, werfe ich auch, und zwar meine guten Vorsätze über den Haufen, und order mir erstmal ein kühles Hopfengetränk, Prost.










14:45 – 15:30 / Scott Hepple and the Sun Band
Trotz sich bewölkendem Himmel holt die Scott Hepple Kapelle die Sonne zurück und etwas Flower Power Stimmung auf die Location. Retrorock mit einer netten punkigen Attitüde. Die Wuschelköpfe mit Strohhut haben sichtlich viel Spielspaß und lassen diesen über ihre Amps auch ungezügelt an die Hörerschaft. Der Sound hat eine ordentlich britische Note, eingängige Hooks und lange catchy Beats, ohne in „Oasis” -hafte Belanglosigkeit abzugleiten. Eher würzen sie ihren Sound mit, klar passend zum Gesamtkonzept, Stoner und Dessert Einschüben, die so leicht und verspielt eingestreut werden, dass es der Körper auch mal vor dem Verstand bemerkt und zack, wippt Kopf und Körper, bis das Hirn merkt: hey, das is ja mächtig dreckig grad. Nur um im nächsten Song mit entspannten Gitarren ein Singalong einzuleiten, der Radiotauglichen Pop mit psychedelischen 60’er Rock verpaart. Alles a bisserl anstrengend, aber dafür auch keinesfalls langweilig und weit weg von eintönig. Um die Zeit darf´s natürlich gern auch mal Kopfmusik sein, die eher aktiv konsumiert werden muss, statt mit Abhotten flankiert zu werden. Wobei die groovigen Parts, die immer wieder eingestreut werden, Kopfnicken erzwingen. Klassische Samstagnachmittag Kapelle. Also auch top positioniert.




16:00 – 16:45 / Kal-El
Uha, von super spacigem Sound kann man hier jetz nicht sprechen. Power Doom mit ordentlich Arschtritt Faktor. Unendlich tief gestimmte stehende Akkorde balgen sich mit einer schlabberig stampfenden Bass Drum. In diese wabernden Klangdampfhämmer mischen sich, erst versteckt, ansteigende Picking Höhen, setzen dem Sound eine Klang Krone auf, die wie eine Mücke im Schlafzimmer, an den Nerven zerrend, eine Entführung aus der Realität heraufbeschwört, nur um Augenblicke später, zermatscht von einer bluesigen Wall of Sound, am Boden zerplatzt und die Energie sich auf die dort stehenden Körper überträgt. Also echt, wer hier nicht mit mindestens einem Körperteil den Groove mitlebt, sollte zeitnah einen Behandler aufsuchen, da stimmt irgendwas mit dem Rückenmark nicht. Bei den Anwesenden scheinen aber keinerlei Störungen vorzuliegen. Selbst die in der Wiese liegenden Muttis, die grad versuchten, sich eine kleine Pause zu gönnen, fühlen den Druck des Beats und wippen mit den Füßen. Übermächtig schwappt eine lavagleiche Druckwelle nach Druckwelle von Bühnenseite in die Menge, schwemmt alles, was sich ihr nicht eh ergibt, zur Seite. Übrig bleibt nur noch eine in sich geschlossene Masse aus Fleisch, Knochen, Flüssigkeiten und fettem Sound.
Slow, Deep and Hard hat mal eine recht grüne negative Band geschrieben. Das passt hier auch wie Arsch auf Eimer. Mächtig, wie es der Name in sich trägt.











17:15 – 18:00 / DZ Deathrays
Oh ja, ein solider Punk Rock Einstieg. Tempo steigt mal ordentlich, ebenso wie die Tonalität. War der Vorgänger eher im Dichtebereich eines Neutronensterns, is hier jetz die Leichtigkeit eines Surfboards auf einer plüschigen Gischt aus Schaum am Start. Uptempo Garage Rock, straight in ya Face, haben die drei Herren sichtlich Spaß, klatschen es der Meute in die wohlig empfangenden Kopföffnungen, welche es dann körperlich transponiert auslebend, durch wilde Tanzbewegungen, um im Gruppenkollektiv einvernehmlich Schwingungen über den Boden auszutauschen. Rotzig wird ein Knaller nach dem anderen an die Umwelt rausgehauen. Rockige Disco Beats im Lederjacken Ggewand. Sägende Riffattacken schrauben sich in die Köpfe, spalten Synapsen und hinterlassen eine Schneise der Punk Ära von vormals. Bei diesem rockigen Sonnenschein Sound lässt sich auch der Himmel bezirzen, und der bis dato recht verhangene Himmel beginnt, was zu den beiden Vortagen echt ein harscher Witterungswechsel ist, die Photonen ungehindert auf den Boden und die darauf Befindlichen zu ergießen. Sonne, Party und laute Rock Musik.




18:35 – / Dozer
Und nun, the mighty Dozer schmeißen ihre Maschine an. Befüllt mit hochoctanigem bestem Brennstoff walzt die 12 Tonnen Dampframme aus der PA. Gut geschmiert und instand gehalten pleuelt Zylinder für Zylinder, pumpt Energie durch den Raum, verdichtet, komprimiert, bis eine Eruption von Energien, verpackt in mega schwere Riffs und treibende Trommelpassagen, alles niederdrückend, einen rasanten Trip durch weite Landschaften vorantreibt. Die Herren zelebrieren ihren doomigen Blues Stoner Rock mit einer Hingabe, welche die sicherlich vorhandene Souveränität und Professionalität in den Hintergrund drängt. Intensiv ist das hier dargebotene. Und intensiv wird es abgefeiert. Samstags ist erwartungsgemäß noch ein guter Packen mehr an Leuten hier. Familien mit Kids, etc. Das ganze Dorf scheint mal wieder vor Ort zu sein, was natürlich eine absolut feine Sache ist. A) bringt so Musik und Kultur mal wieder alle an einen Ort, mit einem gemeinsamen Ziel, jo, feiern.
B) werden Kids mal ordentlich an gescheiden Rock herangeführt — alle brav mit fetten Mickey-Maus Ohren. Und letztlich ballern die Jungs ihre ultrafetten Nummern mit viel Herz und noch mehr Freude in die Runde und ballern so noch mehr Leuten einen vor den Latz. Was geht denn heute hier ab. Booker und das ganze RiW-Team haben mal wieder voll abgeliefert und ein Line Up auf die Beine gestellt und arrangiert, man möcht weinen vor Freude. Ein Banger jagt den Nächsten. Bassige Verzückung die in Ekstase gehoben wird. Groovig stampfende Rock Monstren auf voller Fahrt. Berauschend auch für die Nüchternen.








19:25 – 20:00 / Capacopter (Holzbock-Stage Pt1)
Ohne Unterbrechung geht es auf der kleinen Bühne weiter. Und geboten wird, naa, wer mag´s erraten, Stoner Rock. Bisserl eine punkigere Variante als grad auf der anderen Bühne, aber nicht minder fetzend. Von der Straightheit her sogar ne Kerbe mehr, mehr bluesig treibend in den niedrigen Gängen. Der europäische Sportwagen gegen den V8 von grad eben. Wobei hier auch ein tief blubberndes Brummen latent die Magengegend massiert. Und da hier die Distanz von Publikum zu Band gleich Null ist, hat diese Freiluftveranstaltung gerade einen heftigen Club Show Vibe erhalten. Dicht an dicht, als würden die Wände an den Seiten den Raum begrenzen, steht eine in sich geschlossene Masse im gemeinsamen Gewühl vor den Paletten und Gerüststeilen, dankbar die Bässe, die wabernden Gitarren, die kopflastige Stimme und die pumpenden Drums empfangend, und geht steil wie Sau.






20:15 – / Hällas
Tonal und stimmungstechnisch bewegen wir uns aus der tief brummigen dunklen Ödlandschaft in die mythischen Höhen der 70’s Fantasy Galaxien. Ein paar Töne höher oben flirren pompöse Riffs nebst Synthie Klängen aus den Boxen. Das Intro allein hätte schon gut in einen Hexenprozessfilm der frühen 70’ern gepasst. Entsprechend mystisch gewandet gibt sich auch die Kapelle an sich und ja, hier geht jedem das Herz auf, der auf epischen Bombast Rock der Marke „Spinal Tap” steht. Super sauber vorgetragen, wuchtig obwohl stets melodiös, mit sich die Schwerter zuwerfenden Doppelgitarren Parts. Die Orgel, bzw. das Keyboard, schmettert wilde trällernde Backgrounds unter das treibende Heldenepos, welches, in Rock gegossen, als Blut aus einem goldenen Kelch über eine Jungfrau vergossen wird, zur Huldigung seiner Majestät. Des is so krass Retro, dass es schon wieder zu geil ist, um es nicht ernst nehmen zu können. Der Grat zwischen Parody, Huldigung und Genialität, ist ein schmaler und steiler, welcher hier trittsicher bestiegen wird und in keines der Täler stürzt, die sich um ihn auftun. Pathetisch majestätisch geleiten sie die Sonne hinter den Horizont und beschwören die Dunkelheit hervor. Wenn des auch so geplant war, RiW-Team, ich würd´s euch fast zutrauen, war dies ein weiterer genialer Schachzug von euch, wie viele in dem Billing dieses Jahrs, und eigentlich jedes Jahrs.



21:25 – 21:50 / Capacopter (Holzbock-Stage P2)
Hab ich doch glatt verbummelt. Irgendwie hat sich am dritten Tag Tatsächlich sowas wie Hunger eingestellt und ich musst mir ein paar Sommerrollen mit Thunfisch wickeln. Und so, gestärkt geht´s auf zu
22:05 – 23:30 / Gluecifer
die wieder ordentlich PS auf die Fahrbahn bringen. Geraderaus gespielter Dessert Rock mit Norwegen Arschtritt Attitüde. Die punkige Note hier und da und generell, gibt n extra Schlag nach vorne. Zündet bei 250 Sachen den Nachbrenner, Turbo und Lachgas, alles gleichzeitig bis meterlange Flammen alle Öffnungen der Maschine verlassen und man mit 4G in den Sitz gepresst wird. The Hives Rhythmen mit Stoner-Bass aufgemotzt geht es direkt in die Beine. Von dem Platz zwischen Bühne und FOH geht eine wohlige Wärme aus, angeheizt von sich bewegende Menschen die eng an eng ihre Körper aneinander, miteinander und ab und an gegeneinander rangeln. Alles in herzlich liebevoller Hingabe zum guten alten Lord Rock. Dem zu huldigen, dafür sind sie alle hier, Veranstalter, Bands, Fans, Nachbarn, auch wenn sie nur vorbei gestolpert sind. Und der Tempel des Rock ´n Roll, ausgeleuchtet in Blau mit weißem Strobo und Blindern, bebt in freudiger Erregung ob der Bässe, die ihn massieren, penetrieren und zart streicheln. Zum Glück arbeiten die Bühnentechniker und Erbauer hier sauber, die Belastungsprobe auf extrem, für jedes Bauteil. Und die GLUECIFER Jungs halten alles mit Granit hartem und Lava zähem Schweine Rock in Schwingung. Stampfende Drums, Melodien über harschen Riffs und eine Frontsau, die das Bindeglied zwischen Band und Publikum wohl schon mit der Muttermilch auf dem Rücksitz eines 68´er Mustang aufgeschlürft hat.
23:50 – / Kylesa
Und so finden erneut die paar Tage im Jahr voll Heavy, Stoner und Punk Rock ein Ende.
Alles wieder grandios organisiert.
Die ganzen Ehrenamtlichen, denen es sichtlich und spürbar eine Ehre ist Teil von dem hier zu sein. Den ganzen supernetten Sicherheitsleuten, egal ob am Einlass (Bussi!!), auf der Fläche oder sonst wo auf dem Gelände, den vielen helfenden Händen hinter den Kulissen, auf der Bühne und wo auch immer ihr mit eurem Einsatz eingebracht habt. Den Leuten von den Sanitäranlagen, Hammer, ich war schon in Wohnungen die schlechter gepflegt waren. Den Sanis, den Leuten der Futterbuden, wo auch immer ihr euch eingebracht habt, die Tage wieder einmal einmalig zu machen. Euch allen einen herzlichen Dank für die grandiose Zeit und das rockige „Familientreffen” der besonderen Art.
Als Rausschmeißer geben sich KYLESA die Ehre. Female Fronted Rotz Groove Rock mit ner Grunge Schlagseite. Mächtig walzt der Sound von der Bühne und holt nochmal alles aus Allen raus. Vor der Bühne hat sich eine letzte Traube bester Feierlaune gebildet, und wirklich jeder hat sich dem Pulk angeschlossen, und gemeinsam werden die stampfenden Rocknummern abgefeiert als gäb´s kein morgen. Den es zwar geben wird, wenn nicht heute Nacht ein Asteroid auf der Erde einschlagen sollte. Aber, der Morgen definitiv etwas weniger Bums haben, sondern eher mehr männliche Katzenfusel. Maschinenhaftes Riffing, eine durchmarschierende Bass Drum, wuchtige Bass Anschläge und eine lieblich bezirzende, bis aggressiv keifende Frontröhre, wechseln mit leiseren Passagen, nur um nahezu unvermittelt wieder massiv Druck und Fahrt aufzunehmen. Ein Spannungsbogen aus stehenden hohen Klängen, ein dumpfer Boom, hysterische Trommel Breaks. Eine Melange von Punk bis Doom, Dessert und Garage Rock. Einfach ein teuflisch gutes Gemisch aus allem, was die letzten Tage hier Programm war. Sozusagen eine intensive Zusammenfassung des RiW’26 auf einer Bühne auf fünf Musiker komprimiert und den Leuten in die glücklichen Fressen gerockt. Chapeau, genau so muss das. Und der gemeinschaftlichen Feierei mag ich mich dann auch nicht länger entziehen, zu derbe bösen Doom Hardcore Klängen löse ich mich jetzt von meiner Stelle und misch mich unter die Menge.
Ich bin raus für dieses Jahr.
Lars hat´s leider vor GLUECIFER die körperliche Stromversorgung gekappt. Daher schaut euch alle Bands eh bei nächster Gelegenheit an und macht euch dann euer eigenes Bild.
Und evtl. sind einige von euch kommendes Jahr hier wieder am Start.
Tragt euch den Termin ein: 29.07 – 31.07.2027 und dann trifft man sich hier.
Rock ´n Roll,
JoD.










Text: JoD
Fotos: Lars Oeschey

