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Rock im Wald – Michelau, Oberfranken, 29. + 30.07.2016
Bereits seit 1995 veranstaltet das Rock im Wald Orgateam um Oliver Neumann, Christian Sünkel, Urban Hofmann, Alexander Hartmann und Jürgen Schäck das familiäre aber doch sehr professionell organisierte Festival im beschaulichen Michelau bei Lichtenfels in Oberfranken.
Die zwei Tage stehen ganz im Zeichen des „Scandinavian Rock“, sind doch die meisten Bands aus dem hohen Norden angereist. Besonders deutlich wird das am ersten Festivaltag, an welchem nach dem Opener Cannahann nur noch Gruppen aus Schweden auf der Bühne stehen.
Wir machen uns also am Freitag auf den Weg Richtung Oberfranken. Alles bestens ausgeschildert und noch recht überschaubar. Also Bus direkt vorm Festivaleingang geparkt, Bändchen und Presseausweise abgeholt. Hier sei noch der absolut nachahmenswerte Rundumservice des Orgateams erwähnt! Da kommt man gerne wieder! Sogar Essen- und Getränkemarken gab es für die Foto- und Schreiberlinge.
Die bereits erwähnte familiäre Atmosphäre des Festivals wird hier einmal mehr deutlich. Doch ganz nette Leut’ hier im Frankenland!
Dann bisschen Equipment- und Wohnmobil sortieren und schon geht’s los zur ersten Band des ersten Tages…
Freitag, 29.07.2016
15:20 – 16:00 Cannahann
Die Band aus Würzburg ist dann quasi der Local Opener hier auf dem Festival. Und dem werden sie auf jeden Fall mehr als gerecht. Die Band um Ralf – Guitar/Vocals, Daniel – Bass/Vocals, Markus – Drums und Mike – Guitar/Vocals präsentieren den ersten Festivalbesuchern leidenschaftlichen, energetischen Stonerrock den sie selbst als „Staubrock“ bezeichnen, welcher aber keinesfalls angestaubt klingt. Puh, Wortspiel…
Ich würde das Ganze zusammengefasst als sehr dynamischen Stonerrock bezeichnen. Für mich passt die Kombo geradezu perfekt zur Tageszeit und zur Einstimmung auf die zwei Tage. Die energiegeladene Liveshow der vier Jungs gibt auch gleich perfektes Material für unseren Fotografen ab.







16:25 – 17:05 Honeymoon Disease
Ab jetzt wird’s schwedisch. Wie es zu der Idee zu dem Bandnamen kam will ich mir jetzt gar nicht so recht vorstellen müssen…. oder doch?
Die 70er sind zurück! Das ist so ziemlich der erste Gedanke der einen beim Anblick und bei den ersten Tönen des Quartetts, welches aus Jenna – Vocals & Gitarre, Acid – Gitarre, Nick – Bass, Jimi – Drums besteht, ereilt.
Flirrende Gitarren, tolle Vocals und der eben nicht immer gleiche Kiss Gedächtnisrock der dieses “Genre” leider zu oft bestimmt. Und mit den noch folgenden Bands wie Imperial State Electric und so weiter sind sie hier in keiner schlechten Gesellschaft.
Die Kapelle veröffentlichte ihr Debutalbum The Transcendence im November 2015 bei Napalm Records, Co – Produziert von Nicke Andersson (ex Hellacopters), welcher noch mit seinen Imperial State Electric später am Abend die Bühne rocken wird.
















17:30 – 18:20 Year Of The Goat
Haut mich jetzt nach den ersten Tönen nicht wirklich vom Hocker und schafft es auch mit den folgenden nicht mich mitzureißen.
Wobei, ein paar nette, einfallsreiche Riffs und Strukturen waren doch zu erkennen. Aber wo ist nur die Dame mit der engelsgleichen Stimme versteckt? Nichts gegen Klargesang, aber hier passt das Ganze nicht wirklich zusammen,- meine Meinung. Alles in allem wohl einfach nicht so meins. Dann eben hier nur die Hard Facts:
Die Jungs um Thomas Sabbathi – vocals, guitar, Jonas Mattsson – guitar, Don Palmroos – guitar, Fredrik Hellerström – drums, Joona Hassinen – bass, Pope – mellotron, vocals veröffentlichten gerade ihr zweites Album The Unspeakable. Immerhin das Cover gefällt mir sehr gut!












18:45 – 19:35 Dead Lord
Und wieder Schweden. Die Band wurde 2012 von Sänger und Gitarrist Hakim Krim gegründet. Sehr überzeugend sogar. Klassischer Rock mit klassischer Gitarrenarbeit. Viele Soli und eingängige Harmonien bestimmen den Sound.
Boris Kaiser vom Rock Hard Magazin bezeichnete das Debütalbum Goodbye Repentance als das beste Thin Lizzy Album seit Thunder And Lightning.








20:00 – 20:50 Bombus
Hier will und kann man sich gar nicht so richtig festlegen was da genau genremäßig geboten wird. Und das ist auch gut so! Irgendwo zwischen Motörhead, Turbonegro, vielleicht ein bisschen Prog- und Sludge Metal. Sehr nett! Reißt mich schon eher mit und macht auch Fans der eher härteren musikalischen Gangart durchaus Spaß!
Was man hier noch hervorheben muss ist dass die Band zwei gleichberechtigte Sänger (Frederik “Fefe” Berglund und Mattias ”Matte” Säker) hat. Die restlichen Instrumente werden bedient von Ola- Bass und Peter – Schlagzeug.
Ihr aktuelles Album Repeat Until Death veröffentlichte Bombus 2016.

























21:20 – 22:35 Imperial State Electric
Entstanden aus einem Soloprojekt von Nicke Andersson (ex -Entombed, ex – The Hellacopters). Nach dem Ende der Hellacopters veröffentlichte die Band 2010 ihr Debutalbum und hat mittlerweile mit Honk Machine ihre sechste Scheibe in den Läden stehen. Andersson (der Mann an der Uniformmütze) macht in Interviews gerne klar dass Imperial State Electric zwar kein reines Soloprojekt sei, er aber doch er der unantastbare „Boss“ der Band ist. Parallelen zu Marc Bolan und seinem T. Rex sind erkennbar. Unterstützt wird er dabei noch von: Tobias Egge, Tomas Eriksson, Dolf de Borst und Robert Pehrsson.
Wer auf ordentlichen Pop – Rockigen 70’s Sound steht sollte mal in das 2015 veröffentlichte Album Honk Machine reinhören.



















23:10 – 00:40 Graveyard
Gegründet 2006 spielen die Göteborger Psychedelic, Blues Folk Rock. Musikalisch und optisch würde man die Band um Joakim Nilsson – Gitarre, Gesang, Axel Sjöberg – Schlagzeug, Jonatan Larocca Ramm – Gitarre, Gesang und Truls Mörck – Bass in den 70ern ansiedeln. Und genau dort fühlen sie sich auch am wohlsten. Anspieltipp: Hisingen Blues. Authentischeren Classic Rock hat man, denke ich, schon lang nicht mehr gehört. 2015 veröffentlichten sie ihr aktuelles Album Innocence & Decadence bei Nuclear Blast.
















Samstag, 30.07.2016
Heute wird’s, zumindest teilweise, etwas härter als gestern. Auf jeden Fall verschieben Bands wie Mantar und Kvelertak den Regler auf der Härteskala deutlich nach oben.
Aber erst einmal die Chance genutzt und die Duschmöglichkeit im Sportheim auf dem Festivalgelände in Anspruch genommen. Hier hat sich gleich das selbst regulierende System von 30 Minuten Männlein gefolgt von 30 Minuten Weiblein etabliert. Wehe dem der nach 30 Minuten noch in der Dusche steckte… 😉
Nebenbei sei auch noch das reichhaltige, von freiwilligen Helfern (der Damenfußball „Mann“schaft des SSV Michelau) zubereitete Frühstück erwähnt. So kann man gestärkt in den, manchmal doch anstrengenden, Festivaltag starten.
14:00 – 14:40 Dead And Stoned
Den Auftakt machen wieder “Locals”. Diesmal die Hard Rocker Dead And Stoned aus Kulmbach. Die drei Jungs um Andreas Niemczyk – Vocals, Bass, Kai Wagner – Guitar, Backing Vocals und Adrian Heckel – Drums, servieren dem frühen Besucher klassischen Hard Rock in Reinform. Wie auch gestern schon bietet die erste Band den perfekten Sound zur Einstimmung auf den zweiten Tag. Auch bei der Running Order merkt man dass sich hier jemand Gedanken gemacht hat und nicht einfach nur die “kleinen” vor die “großen” geschoben werden!
Gegründet 2012, hat das Trio gerade seinen ersten Silberling Of Hard Bones And Travelled Hearts veröffentlicht. Der Name der Scheibe ist Programm!








15:05 – 15:45 Mother Engine
Weiter geht’s im Programm schon mit einem echten “Geheimtipp” in der Stoner / Psychedelic Rock Szene. Diesmal „nur“ Instrumental. Aber was bei den drei Jungs aus der Not heraus geboren wurde, ist durchaus sehr konsequent und sehr stimmig umgesetzt. Auch ohne Stimme! Man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl dass hier einfach nur der Sänger weggelaufen ist sondern man merkt dass sehr viel Arbeit hineingesteckt wurde die Songs auf rein instrumentale Stücke “umzubauen”. Irgendwie der perfekte Soundtrack für einen sonnigen Nachmittag…
Gegründet 2011, veröffentlichten Mother Engine Ende 2012 ihr Debutalbum Absturz.




16:10 – 16:50 White Miles
Next in line ist das Tiroler Duo White Miles. Bereits als Support für Courtney Love, Eagles Of Death Metal, John Garcia tätig. Die selbstgewählte Genrebezeichnung “Dirty Pole Dancer Stoner Blues Rock” könnte nicht treffender sein. Das Energiebündel Medina Rekic an der Gitarre und den Vocs macht es einem sehr schnell klar, dass man das was man hier veranstaltet durchaus ernst meint und mit Herzblut bei der Sache ist! Ihr zweites Album wurde von keinem Geringeren als Courtney Love Gitarrist Micko Larkin produziert. Die Band versorgt das Publikum mit post-punkigem Stonerrock der bis in die Knochen geht. Spätestens hier wachen selbst die am härtesten Festivalgeschädigten auf.
Gegen Ende der Show wird dann das Publikum nochmal voll mit einbezogen und einer der jüngsten Festivalbesucher darf mit dem Schlagzeuger Hansjörg Loferer seinen ersten Live Jam abliefern und wird von der Sängerin und dem restlichen Publikum dafür ordentlich gefeiert. Definitiv eine feine Aktion und nachahmenswert!
Einer meiner absoluten Favoriten auf diesem Festival!
White Miles hat übrigens als Vorband der Eagles Of Death Metal im Bataclan gespielt als dort im November 2015 der schreckliche Terroranschlag verübt wurde.
Ihr neuestes Album The Duel wurde am 1. April 2016 veröffentlicht. Anspieltipp: Sickly Nerves!










17:20 – 18:10 Planet Of Zeus
Bereits als Main Support für Clutch bekannt sind Planet Of Zeus bereits weit über den Status des Underdogs hinaus. Auf jeden Fall füllen die Jungs, als da wären: Babis Papanikolaou-Vox & Guitars, Stelios Provis-Guitars, Giannis Vrazos- Bass und Serapheim Giannakopoulos-Drums in ihrem Heimatland Griechenland immer mal wieder auch größere Hallen. Klassische Rock Melodien gepaart mit Stoner / Sludge Attitüde. Gefällt sehr gut! Planet Of Zeus heizen der Meute vor der Bühne am frühen Abend ordentlich ein.
2014 veröffentlichte Planet Of Zeus ihr drittes Album Vigilante.















18:50 – 19:45 Spidergawd
Ein Motorpsycho Sideproject das im Jahrestakt neue Alben veröffentlicht. Spidergawd das sind: Bent Saether am Bass, Per Borten an Gitarre und Gesang, Kenneth Kapstadt am Schlagzeug und, festhalten, Rolf Martin Snustad am Bariton-Saxophon. Und was letzterer mit dem, zugegebenermaßen etwas ungewöhnlichen, Instrument leistet ist beachtlich. Das Ganze noch unterstützt von etlichen Effektgeräten auf die auch der eine oder andere Gitarrist durchaus neidisch werden könnte.
Aktuellstes Album ist Spidergawd III. Spidergawd und Spidergawd II wurden 2014 und 2015 veröffentlicht.











20:15 – 21:05 Mantar
Zerstörung, Verwüstung, Wut, Brutalität, gewalttätige Soundwände. Brutal was so eine Zwei Mann Kombo alles innerhalb der ersten Sekunden, des ersten Songs zerstören kann. Das Konzept des Duos bis aufs Äußerste ausgereizt hämmern sich Mantar brachialer und erbarmungsloser ins Gehirn als so manche Band mit deutlich mehr Musikanten. Mantar sind die mittlerweile in Hamburg ansässigen Bremer Hanno (Gesang, Gitarre) und Erinc (einer der brutalsten Drummer unter dieser Sonne).
Selten so eine brachiale, energetische Liveperformance gesehen. Zwischen den Songs merkt man förmlich wie die Jungs einmal mehr durchladen um dann wieder auf brutalste Art und Weise los zu brettern. Hier entsteht gerade etwas ganz Großes! Ganz sicher!
Der eine oder andere wird sicher etwas verwirrt darüber sein welcher Bulldozer ihn da gerade in der letzten Stunde überrollt hat.
Die nicht gerade wenigen Effektgeräte am Boden und die drei! Amps im Hintergrund werden bis aufs Letzte ausgenutzt und benutzt. So kommt hier ein Sound zu Stande der seines Gleichen suchen muss!
Nach Death By Burning haben sie gerade 2016 mit Ode To The Flame ihr zweites Album in Eigenregie aufgenommen und mit Nuclear Blast veröffentlicht. Übrigens ist hier „what you see is what you get“ angesagt: Auf den Scheiben wird genau das gleiche Equipment, wie auch live benutzt. Also kein zusätzlicher Bass oder so.
Mantar heißt zwar auf Türkisch Pilz. Mantra würde aber meiner Meinung nach auch sehr gut passen. Eine reinigende Wirkung hat das Brachialgeknüppel durchaus.
Gleich mal beide Alben auf Vinyl gesichert! Anspieltipp: Era Borealis. Hymne!















21:35 – 22:45 Uncle Acid & The Deadbeats
70er Jahre Psychedelic Rock a la Black Sabbath und Neil Young. Wenn ich damals schon geboren gewesen wäre würde ich mich jetzt wohl in die Geburtsstunde des Heavy Metal zurückversetzt fühlen. Aber auch so als Spätgeborener macht der Sound durchaus Spaß. Flower Power und Gurus die von irgendeinem Berg steigen kommen einem dabei in den Sinn!
Die Band aus Cambridge wurde 2009 von Sänger und Leadgitarrist Kevin Starrs gegründet. Yotam Rubinger – Gitarre, Backing Vocals, Itamar Rubinger – Drums, Vaughn Stokes – Bass, Backing Vocals vervollständigen die Kombo.
2015 veröffentlichten sie ihr Album The Night Creeper.













23:30 – 00:50 Kvelertak
Ich versteh nur Norwegisch oder eben nicht. Kvelertak verfassen ihre Texte nämlich ausschließlich in ihrer Landessprache. Optisch ist die Band eine Mischung aus Viking Metal (Sänger Erlend Hjelvik) und Rock – Band (Rest der Band: Vidar Landa – Gitarre, Bjarte Lund Rolland – Gitarre, Maciek Ofstad – Gitarre, Marvin Nygaard – Bass, Kjetil Gjermundrød – Schlagzeug).
Aber was ist das nun? Sehr melodischer Rock n’ Roll mit Black Metal Einfluss würde ich sagen. Mit ihrem 2016 erschienen Album Nattesferd schieben sie sich gleich mal auf Platz zwei der norwegischen Charts.
2013 wurde auch eine durchaus hörenswerte Split EP mit Gojira veröffentlicht.


























Fazit:
Alles in allem ein absolut gelungenes, überschaubares, familiäres Festival. Perfekt organisiert und mit qualitativ hochwertiger Bandauswahl!
Sehr entspannt war generell auch die Atmosphäre. Keine Knaller die sich selbst etwas beweisen müssen usw. Irgendwie wirkt das Festival “erwachsener” (jetzt nicht im langweiligen Sinne) als seine großen “Brüder”…
Erwähnt werden muss auch noch die Essensauswahl an den Ständen die auch für Vegetarier und Veganer einiges zu bieten hatte. Einzig und allein beim Frühstück hätte ich mir noch eine vegane Alternative gewünscht. Aber ein wenig Verbesserungspotential muss ja für 2017 noch vorhanden sein. 😉
Wer auf erdigen Stoner- und Classicrock steht muss hier nächstes Jahr dabei sein! Und Bands der “etwas” härteren Gangart wie Mantar lockern das Ganze ordentlich auf. So muss das sein!
Vielen Dank an dieser Stelle nochmal an das Orgateam für die perfekte Betreuung!
Wir kommen gerne wieder!













Text: Florian Schönberger
Fotos: Lars Oeschey

